Ölkatastrophe : Hohe Folgekosten lassen BP-Aktie abstürzen

Knapp eine Milliarde Dollar hat BP die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko schon gekostet - alles in allem könnte es jedoch zwanzigmal so viel werden. Anleger finden das nicht sehr verlockend.

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Strand geschlossen. Experten schätzen, dass die Ölpest BP insgesamt 18 Milliarden Dollar kosten könnte. Foto: AFP
Strand geschlossen. Experten schätzen, dass die Ölpest BP insgesamt 18 Milliarden Dollar kosten könnte. Foto: AFPFoto: AFP

Berlin - Angesichts des dramatischen Ausmaßes der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hat sich die Aktie des BP-Konzerns in den vergangenen Wochen noch relativ gut gehalten. Am Dienstag jedoch stürzte das Papier an der Londoner Börse zeitweise um mehr als 17 Prozent ab. Die Anleger reagierten damit auf die gescheiterten Bemühungen vom Wochenende, das Bohrloch in 1500 Metern Tiefe mit Schlamm und Zement zu versiegeln. Da die Börsen in London und New York, wo die BP-Aktie notiert ist, wegen Feiertagen am Montag geschlossen waren, kam die Reaktion erst mit Verspätung. Dennoch: Einige Analysten empfehlen das Papier weiterhin zum Kauf.

990 Millionen Dollar (804 Millionen Euro) hat die Ölkatastrophe BP seit der Explosion der Bohrinsel Deepwater Horizon bereits gekostet. Das teilte BP am Dienstag mit. In der Summe seien die Kosten für die Eindämmungsversuche an der Quelle sowie für bislang an die US- Bundesstaaten am Golf gezahlte Entschädigungen enthalten. „Es ist zu früh, andere potenzielle Kosten und Zahlungsverpflichtungen, die mit dem Vorfall verbunden sind, zu quantifizieren“, warnte BP.

Analysten haben bereits gerechnet: So gehen etwa die Experten von Credit Suisse davon aus, dass Säuberungskosten im Bereich von vier bis 9,8 Milliarden Dollar auf BP zukommen könnten. Die rechtlichen Folgekosten schätzen sie auf rund 8,6 Milliarden Dollar. Insgesamt erwarten sie, dass die Katastrophe BP rund 18 Milliarden Dollar kosten könnte. In etwa diese Summe prognostizieren auch die Analysten der UBS. Diese Summe muss man jedoch in Relation zur Ertragskraft von BP setzen: Im vergangenen Jahr erwirtschaftete der Konzern einen Gewinn von 16,5 Milliarden Dollar, 2008 hatte BP sogar 25,6 Milliarden Dollar verdient.

Der Ausblick für BP sei düster, schreiben die Analysten der UBS über ihre aktuelle Studie zur BP-Aktie. Und obwohl sie das Kursziel für die Aktie senkten, empfehlen sie sie weiter zum Kauf. Die Analysten gehen davon aus, dass BP die Kosten aus Barmitteln und Schulden begleichen – und seinen Aktionären dennoch eine Dividende zahlen kann. Auch die Experten von Bank of America Merrill Lynch schreiben: „Wir sehen weiterhin einen attraktiven langfristigen Wert in BP.“ Ihre Empfehlung lautet: kaufen. Doch es gibt auch andere Stimmen. Analyst Dougie Youngson von der Bank Arbuthnot sagte, dass die Ölkatastrophe das Ende für BP bedeuten könnte. „Es geht hier längst nicht mehr darum, ob BP-Chef Tony Hayward gefeuert wird oder ob die Aktionäre geringere Dividenden ausgezahlt bekommen. Das hat den Geruch des Todes.“ BP könnte möglicherweise bald Kandidat für eine Übernahme durch ein anderes Unternehmen werden. Allein am Dienstag verlor BP an der Börse 23 Milliarden Dollar an Wert. Seit der Explosion der Bohrinsel vor sechs Wochen ist bereits mehr als ein Drittel des Börsenwertes von BP vernichtet worden.

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