Wirtschaft : Ölkonzern Yukos vor dem Ausverkauf Größte Ölförder-Tochter soll veräußert werden

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Moskau – Die Zerschlagung des angeschlagenen russischen Ölkonzerns Yukos steht unmittelbar bevor. Bereits bis zum 30. Juli könnte die größte ÖlförderTochter des Unternehmens, Yuganskneftegaz (Yung), verkauft werden, teilte das russische Justizministerium mit. Gerichtsvollzieher versuchen derzeit, von Yukos umgerechnet 2,8 Milliarden Euro an Steuernachforderungen einzutreiben. Weitere Milliarden-Klagen sind in Vorbereitung. Insgesamt geht es um bis zu acht Milliarden Euro.

Mit dem Verkauf von Yung würde der bisher größte russische Ölproduzent zu einer vergleichsweise „sehr sehr kleinen Firma“, kommentierte Fondsmanager Jean- Louis Tauvy von Atria Advisers. Yung trägt täglich rund 60 Prozent zum Erdölausstoß von Yukos bei. Die Meldung über den möglichen Verkauf belege, dass Verhandlungen über eine friedliche Lösung der Zahlungskrise zwischen Unternehmen und Staat beendet seien, sagte Maxim Schejn von Brokerkreditservice: „Die Wahrscheinlichkeit, dass Yukos-Aktionäre am Ende nur Papiere einer leeren Hülle halten, wächst mit jedem Tag.“

Demgegenüber hatte Russlands Präsident Wladimir Putin vor einem Monat gesagt, der Staat habe kein Interesse an einem Yukos-Bankrott. Die Yukos-Aktien, die seit der Inhaftierung von Ex-Konzernchef Michail Chodorkowskij im vorigen Oktober 54 Prozent ihrer Marktkapitalisierung verloren haben, fielen gestern an Moskaus Börsen rasant. Denn einem von der Nachrichtenagentur Interfax zitierten, ungenannten Yukos-Manager zufolge soll der geforderte Preis für Yung bei nur 1,75 Milliarden Dollar liegen. Dabei sind allein die Ölreserven der Yukos-Tochter 30,4 Milliarden Dollar wert.

Yukos-Sprecher Hugo Erikssen sagte, das Unternehmen werde „alles tun, um einen Verkauf von Vermögenswerten der Firma zu verhindern“. Chodorkowskij hat angeboten, er und seine Mitaktionäre würden ihr 61-prozentiges Yukos-Aktienpaket kostenlos abgeben, um die Steuernachforderungen zu begleichen. Jedoch hatte es darauf keine Reaktionen der Behörden gegeben.mbr/HB

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