Wirtschaft : Ölkonzerne drehen an der Preisschraube

Auch Esso und Shell erhöhen Benzinpreis – doch am Markt durchsetzen werden sie sich wahrscheinlich nicht

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Berlin (hop). Der Ölkonzern BPAral ist mit seiner Benzinpreiserhöhung um drei Cent je Liter nicht allein geblieben. Alle wichtigen Konkurrenten zogen noch am Montagabend, spätestens aber am Dienstag nach. Unter den größten Tankstellenketten Shell-Dea, Esso, Total-Fina-Elf oder Jet gab es keine Ausnahme. Damit stiegen die Treibstoffpreise in Deutschland auf ein neues Rekordniveau. Ein Liter Superbenzin kostete im Bundesdurchschnitt 1,15 Euro. Das ist ein Cent mehr als der bisherige Höchstpreis vom Mai 2001.

Die jüngste Preisrunde stieß auf harten Protest der Automobilclubs. Der ADAC kritisierte, Grund für die höheren Preise sei vor allem ein Krisenzuschlag, der wegen der schwelenden Irak-Krise erhoben werde. Der Automobilclub von Deutschland (AvD) forderte die Ölkonzerne auf, die Benzinpreise sofort wieder um sechs Cent je Liter zu senken. Durch die Krisenprämie, ohne die das Öl seit Monaten wesentlich billiger wäre, hätten die Konzerne hochgerechnet etwa 700 Millionen Euro zusätzlich eingenommen. Ein Barrel Öl (159 Liter) der Sorte Brent (siehe Lexikon auf Seite 18) kostet zurzeit rund 32 Dollar. Die meisten Experten gehen von einem Krisenzuschlag von mindestens sechs Dollar aus. Sollte tatsächlich ein Krieg gegen den Irak ausbrechen, werde der Preis mindestens auf 40 Euro schnellen.

Die Unternehmen verwiesen auf die stark gestiegenen Preise für Ölprodukte in Rotterdam. Birgit Layes, Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) in Hamburg, sagte, der Preis für ein Tonne Superbenzin sei innerhalb von nur einer Woche von 317 US-Dollar auf 346 Dollar gestiegen. „Und dieser Anstieg ist noch nicht komplett an die Kunden weitergegeben worden“, sagte Layes. Ob es deshalb bald zu weiteren Preissteigerungen beim Benzin komme, sei aber wegen des scharfen Wettbewerbs fraglich.

Die MWV-Sprecherin verwies außerdem darauf, dass der Anstieg der Benzinpreise in Deutschland wahrscheinlich noch stärker wäre, hätte der Euro in der letzten Zeit nicht deutlich an Wert gewonnen. Layes sagte: „Bei einer Euro-Dollar-Parität würde ein Liter Superbenzin heute noch etwa zwei Cent mehr kosten.“ Layes räumter allerdings ein, die hohen Ölpreise, die zurzeit gezahlt würden, gingen allein auf die Angst vor einem Irak-Krieg zurück: „Es gibt ein absolut ausreichendes Angebot auf dem Weltölmarkt.“

Am Dienstag gab es allerdings auch schon die ersten Anzeichen dafür, dass sich die Benzinpreiserhöhungen nicht lange halten lassen. „Im Moment bröckeln die Preise schon wieder ab“, sagte ein Sprecher der Tankstellenkette Jet dem Tagesspiegel. Jet gehört zum Ölkonzern Conoco-Phillips und hatte am Montagabend bei den Preiserhöhungen noch mitgezogen. Doch müsse man jetzt die Preise dort wieder senken, wo Wettbewerber – vor allem Supermärkte – die Anhebungen nicht mitgemacht hätten. Sonst bestehe die Gefahr, Marktanteile zu verlieren, sagte der Jet-Sprecher. Er verwies auf das vergangene Jahr: „Da gab es 72 Preisanhebungen. Geblieben ist davon nicht viel.“

Gute Ergebnisse bei BP

Nur einen Tag nach der Preiserhöhung seiner deutschen Tochter legte der britisch-amerikanische Ölkonzern BP gute Geschäftszahlen vor. Im vierten Quartal 2002 lag der Gewinn wegen der gestiegenen Ölpreise bei rund 2,6 Milliarden Dollar. Im Vorjahreszeitraum waren es lediglich 1,77 Milliarden Dollar gewesen. Allerdings fiel der Gewinn für das Gesamtjahr von 11,56 Milliarden Dollar auf 8,7 Milliarden. Zusammen mit der Bilanz präsentierte BP außerdem ein Joint Venture, mit dem der Konzern zum drittgrößten Gas- und Ölunternehmen in Russland werden will. BP plant Investitionen von rund sieben Milliarden Dollar. Russland gilt als eines der wichtigsten Gegengewichte zur größten Erdölregion, dem Nahen Osten.

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