Wirtschaft : Ölpreis an der 60-Dollar-Marke

Benzin ist so teuer wie noch nie / Konjunktur und Börsen belastet / Politik will einschreiten

Carsten Brönstrup

Berlin - Die Ölpreise sind zu Wochenbeginn auf neue Rekordstände geschnellt. In New York kostete ein Barrel der Sorte Light Sweet Crude am Montag bis zu 59,50 Dollar, das war der höchste Stand seit Beginn der Notierung 1983. Experten hielten einen Anstieg auf über 60 Dollar in den kommenden Tagen für wahrscheinlich und erwarten, dass Benzin und Heizöl dauerhaft teuer bleiben. Die FDP erklärte, sie wolle nach einem Wahlsieg die Senkung der Ökosteuer prüfen.

In den vergangenen Wochen war das Öl weltweit deutlich teurer geworden. Die Nordseesorte Brent zog binnen eines Monats in London um 27 Prozent auf 58,58 Dollar an. Im Zuge dessen stiegen die Benzinpreise in Deutschland auf einen neuen Höchststand von 1,22 Euro für einen Liter Super. Auch die Ankündigung der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), die Förderung um 500000 Barrel zu erhöhen, hatte keine Entspannung gebracht.

Für die Aufschläge sehen Experten mehrere Gründe. „Das wichtigste sind die zu geringen Raffineriekapazitäten in den USA und in Asien“, sagte Rainer Wiek vom Energieinformationsdienst EID. Die Nachfrage etwa in Amerika liege bei 940 Millionen Tonnen pro Jahr, die Kapazitäten aber nur bei 840 Millionen Tonnen. Zudem habe in den Vereinigten Staaten nun die Autofahr-Saison begonnen. Auch Spekulanten spielten eine wichtige Rolle.

Für die kommenden Monate müssten sich die Verbraucher daher „auf tendenziell höhere Preise einstellen“, sagte Energiefachmann Wiek. Das gelte auch für das Heizöl. Im Herbst könne es hier neue Preisrekorde geben. „Derzeit ist die Nachfrage gering, das Öl aber trotzdem teuer. Im Herbst wollen sich aber alle Leute mit Öl eindecken, das kann weitere Anstiege zur Folge haben.“

Dies dürfte die schwache deutsche Wirtschaft weiter bremsen, erwartet Joachim Scheide, Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. „Wenn die Preise so hoch bleiben, wird das unser Wachstum um ein bis zwei Zehntel drücken“, sagte er. Zum einen belaste das teure Öl die Binnennachfrage, zum anderen bremse es die Weltwirtschaft und damit den deutschen Export. „Daneben ist noch der Euro schwächer geworden, das bringt zusätzlich das Risiko steigender Preise“, sagte Scheide. Am Montag notierte der Euro bei 1,213 Dollar, das waren 0,6 Prozent weniger als am Freitag. An den Börsen sorgten diese Aussichten für Unruhe. Der Dax verlor 0,38 Prozent auf 4586,86 Punkte. Unter Druck waren vor allem Werte, deren Geschäftserfolg vom Öl abhängt – der Touristikkonzern Tui, die Lufthansa oder der Chemiekonzern BASF.

Derweil will die Politik gegen die hohen Benzinpreise vorgehen. Das Bundeswirtschaftsministerium plant, darüber mit der Autoindustrie am 12. Juli in Dresden zu reden. Die FDP kündigte an, nach einem Wahlsieg eine Senkung der Ökosteuer zu prüfen. „Wenn es finanzierbar ist, muss die Ökosteuer um ein Drittel gesenkt werden – das wäre der Anteil aus der Mineralölsteuer, der nicht in die Rentenversicherung fließt“, sagte FDP-Verkehrsexperte Horst Friedrich. Der Ökosteueraufschlag liege bei 16 Cent, also wäre so eine Senkung um fünf Cent möglich. „Das müssen wir prüfen im Rahmen eines Kassensturzes.“ Eine komplette Streichung der Steuer werde aber nicht möglich sein.

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