Wirtschaft : Ölpreis: Opec will den Preis für das schwarze Gold unter 28 Dollar drücken

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Die Opec-Staaten haben bei ihrem Gipfeltreffen in Caracas bekräftigt, den Ölpreis wieder unter 28 Dollar je Barrel drücken zu wollen. Vorerst kletterte der Preis für das schwarze Gold jedoch wieder wegen knapper Vorräte und hoher Nachfrage auf über 31 Dollar. Mittelfristig gehen Ökonomen von einer Entspannung beim Ölpreis aus. Die Konjunktur in Deutschland wird durch die Preissituation nicht nachhaltig beschädigt, im Osten ist sogar ein stärkerer Aufschwung in Sicht.

Starre Obergrenzen für den Preis könne die Opec angesichts steigender Kosten für die Erschließung von Ölvorkommen und deren Förderung freilich nicht akzeptieren, sagte der Opec-Präsident und Ölminister Venzuelas, Ali Rodriguez. Der Zielrahmen für die Preise könne in beide Richtungen verändert werden. Er forderte die Abnehmerländer zum Dialog auf. "Es ist im Interesse beider Parteien, eine Übereinkunft zu finden, die das Preis-Problem löst." Gleichwohl wird die Schlusserklärung des Treffens eine Forderung an die Adresse des Westens enthalten, die Steuern auf Benzin und Heizöl zu senken. Venezuelas Staatschef Hugo Chavez sagte, die Opec sei nicht allein für die hohen Preise verantwortlich. Sie liefere nur 40 Prozent der Weltproduktion. Eine Ausweitung der Fördermengen soll es nach Ansicht der Opec nicht geben.

Der Ölpreis stieg derweil am Mittwoch wieder an. In London erhöhte sich der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent leicht auf 30,89 Dollar. Händler sorgten sich um niedrige Vorräte in den USA angesichts des nahenden Winters. Das Brokerhaus GNI erklärte, die Verteuerung ergebe sich aus der Einsicht der Märkte, dass die von den USA zum Verkauf angekündigten strategischen Reserven nicht vor Ende Oktober bei den Raffinierien ankommen würden. Dennoch kündigte der französische Ölkonzern TotalFinaElf an, die Preise in Deutschland zu senken. Benzin soll um sechs, Diesel um vier Pfennig günstiger werden.

Chefvolkswirte von Banken und Wirtschaftsinstituten sagten unterdessen einen Öl-Preis zwischen 23 und 27 Dollar pro Barrel (159 Liter) im Jahresschnitt 2001 voraus. Bei einer Umfrage des Magazins "Focus-Money" nannten die Experten eine nachlassende Nachfrage bei Heizöl und die Freigabe der Reserven als Grund für sinkende Preise.

Nach Ansicht des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) bremst der noch hohe Ölpreis die deutsche Konjunktur. Ein Wachstumseinbruch wie bei den Ölkrisen in den 70er Jahren werde es aber nicht geben. Auch im zweiten Halbjahr wachse die Wirtschaft robust. Insgesamt werde sich für 2000 ein Wachstum von gut drei Prozent ergeben. Eine Senkung des Ölpreises lasse noch auf sich warten, da die Opec-Förderausweitung erst am 1. Oktober anlaufe, sagte BVR-Konjunkturexperte Rolf Quinting dem Tagesspiegel. Selbst dann aber würden sich sinkende Ölpreise nur mit Verzögerung auf die Konjunktur auswirken, da die Erhöhung der Gaspreise nach der jüngsten Öl-Hausse erst noch bevorstehe. Für 2001 seien die Aussichten dennoch gut - das Bruttoinlandsprodukt werde um 2,75 Prozent zulegen.

Das bis vor kurzem noch gute Konjunkturklima in Westdeutschland ist freilich umgeschlagen. Viele Firmen seien im August hinsichtlich des Geschäftsverlaufs in den kommenden sechs Monaten pessimistischer, heißt es im jüngsten Konjunkturtest des Münchner ifo-Instituts. Im verarbeitenden Gewerbe nahm die Nachfrage zwar zu, wurde aber dennoch als nicht ausreichend empfunden. Zwar beurteilten die Unternehmen die aktuelle Lage besser als im Juli, jedoch schätzten sie die Aussichten schlechter ein. Auch hinsichtlich des Exports sank die Zuversicht. In der ostdeutschen Industrie erholte sich das Geschäftsklima im August wieder. Die Exportaussichten wurden sogar so optimistisch beurteilt wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Die Aufträge nahmen zu, doch ausreichende Reserven hatten die Firmen noch immer nicht. Diese Ansicht wird vom Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) bestätigt. Für 2000 erwartet das IWH im Osten ein Wachstum von 2,5 Prozent, für 2001 sogar eine Steigerung um 2,9 Prozent. Der Studie zufolge profitieren Firmen in den neuen Ländern vor allem vom internationalen Aufschwung.

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