Ölpreis : Rauf geht der Benzinpreis ganz schnell

In New York macht Rohöl einen Rekordpreissprung – in Berlin verteuert sich der Sprit über Nacht.

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Berlin - Für Autofahrer gleicht der Stopp an einer Tankstelle dieser Tage einem Besuch im Spielkasino. Ob man günstig tanken kann, ist mehr Glücksache denn je. Das wurde am Dienstag besonders deutlich: Während sich die Spritpreise in Berlin am Wochenende und am Montag auf niedrigem Niveau hielten – im Vergleich zu den Vorwochen –, legten sie in der Nacht zu Dienstag um bis zu 9 Cent je Liter Superbenzin zu. Das ergab eine Preisauswertung des Tagesspiegel für zwölf ausgewählte Tankstellen im Berliner Stadtgebiet (siehe Karte).

Derartig starke Preissprünge, wie sie im gesamten Bundesgebiet zu beobachten waren, sind nach Expertenansicht auch eine direkte Folge der jüngsten Achterbahnfahrt der Kurse an den Rohstoffbörsen: Am Montagabend mitteleuropäischer Zeit war der Preis für ein Fass Rohöl (159 Liter) an der New Yorker Börse zwischenzeitlich um 25 auf 130 Dollar hochgeschossen. Das war der stärkste jemals an einem Tag registrierte Anstieg des Ölpreises. Analysten führten den Sprung auf die aktuelle Schwäche des Dollars wegen der Unsicherheit des Marktes über den Stabilisierungsplan der US-Regierung für die Banken zurück. Investoren suchten deshalb Zuflucht in sicheren Werten, darunter Öl.

„Dass auch die Benzinpreise in Deutschland so schnell darauf reagieren, liegt an den sehr knappen Margen, die Mineralölunternehmen erzielen“, sagt Rainer Wiek vom Energie Informationsdienst EID in Hamburg. In Ländern wie Italien etwa, wo ein ganz anderes Steuersystem herrscht und Tankstellen höhere Margen haben, würden große Preissprünge an den Rohstoffmärkten viel stärker abgefedert, sagt Wiek.

Nach Einschätzung der Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sind in nächster Zeit weitere derartig starke Berg- und Talfahrten beim Ölpreis zu erwarten. „Die US-Krise hält alle in Atem. Und das ist auch der Grund, warum es mit dem Ölpreis rauf und runter geht“, sagte sie dem Radiosender NDR Info.

Im Laufe des gestrigen Dienstags gab der Preis für ein Fass der Referenzsorte WTI in New York dann wieder stark nach. Deka-Bank- Rohstoffexpertin Dora Borbély erklärte dies mit Gewinnmitnahmen.

Derweil ergab eine Studie, dass mehr als die Hälfte der deutschen Autofahrer wegen der hohen Treibstoffpreise ihr Fahrzeug regelmäßig stehen lassen. 51,6 Prozent fahren derzeit öfter Bus und Bahn, wie aus einer Studie von TNS Emnid im Auftrage des Internetportal „Mobile.de“ hervorgeht. 96,8 Prozent aller Autofahrer unternehmen der Umfrage zufolge „konkrete Schritte“, um die Treibstoffkosten zu senken: etwa Reifendruck erhöhen oder den Kofferraum entrümpeln. kph

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