Wirtschaft : Ölpreis-Rückgang: Förderkürzung erwartet

Der Preis für Öl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) gibt weiter deutlich nach. Ein Barrel (159 Liter) Opec-Öl habe am Donnerstag 23,51 Dollar gekostet, nach 24,78 Dollar am Mittwoch, teilte das Sekretariat des Kartells am Freitag in Wien mit. Damit nähert sich der Ölpreis dem unteren Ende des Preisbandes, das die Opec bei 22 bis 28 Dollar festgelegt hat. Opec-Vertreter hatten sich zuletzt für eine Kürzung der Förderquoten ausgesprochen, sollte der Ölpreis noch weiter sinken. Liegt ein Korb von sieben Ölsorten an 20 Geschäftstagen über 28 oder unter 22 Dollar, will das Kartell einer informellen Vereinbarung zufolge die Fördermenge um 500 000 Barrel pro Tag anpassen. Die Ölminister des Kartells wollen bei einem Treffen am 17. Januar in Wien über das weitere Vorgehen entscheiden. Opec-Präsident Ali Rodriguez hält einen Rückgang des Ölpreises unter 22 Dollar je Barrel im zweiten Quartal 2001 für möglich.

Analysten sagten, es gebe Anzeichen dafür, dass das Welt-Ölangebot, das im vorigen Jahr wegen der Produktionskürzungen deutlich zurückgegangen sei, in absehbarer Zeit wieder steige. Die Lagerbestände stiegen sowohl im Fernen Osten wie auch in Europa, hieß es. Zum jüngsten Preisrückgang habe die sich immer weiter abschwächende Konjunktur in den Vereinigten Staaten sowie der bislang milde Winter beigetragen. Schätzungen zufolge muss noch ein Drittel der Deutschen, die mit Öl heizen, für den Winter die Tanks füllen.

Schuld am Preisrückgang sei außerdem die Wiederaufnahme der Öllieferung durch den Irak, sagten die Analysten. Irak hatte am Mittwoch nach zwölf Tagen seinen Öl-Exportstopp beendet und mit der Beladung eines indischen Tankers begonnen, ohne eine Sonderzahlung zu fordern. Zuvor hatte der Irak am 1. Dezember seine Rohölexporte ausgesetzt und die Wiederaufnahme von einer Aufschlagszahlung von zunächst 50 Cents und dann 40 Cents je Barrel Rohöl auf ein direkt vom Irak verwaltetes Konto abhängig gemacht. Irak darf seit dem Golfkrieg vor zehn Jahren Rohöl nur im Rahmen des UN-Programms "Öl für Lebensmittel" exportieren. Die Erlöse müssen auf ein UN-Treuhandkonto eingezahlt werden. Irak exportiert etwa fünf Prozent des weltweit verkauften Rohöls.

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