Wirtschaft : Ölpreis rückt an die 50-Dollar-Marke

Auch neue Versprechen der Opec halten den Anstieg nicht auf/Wirtschaftsaufschwung bleibt intakt

Bernd Hops

Berlin - Der Ölpreis ist am Freitag näher an die 50-Dollar-Marke gerückt. An der New Yorker Warenterminbörse Nymex kostete ein Barrel (159 Liter) das erste Mal zeitweise mehr als 49 Dollar, am Abend fiel der Preis wieder etwas. „Es herrscht große Unsicherheit. Und viele Leute spekulieren auf weiter steigende Ölpreise“, sagte Klaus Rehaag, Leiter der Ölmarktabteilung der Internationalen Energie-Agentur (IEA), dem Tagesspiegel. Es wird eine Versorgungskrise befürchtet. Besonders die Gewalt im Irak bereitet den Börsen große Sorgen. Auch ein neues Versprechen der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) konnte den Trend nicht stoppen.

Öl aus ihren strategischen Reserven will die IEA aber nicht auf den Markt bringen, um die Ängste etwas zu beruhigen. „Die Reserven sind nur für eine wirkliche Notsituation gedacht. Wir werden sie nicht benutzen, um den Ölpreis zu manipulieren“, sagte IEA-Experte Rehaag. Es sei weiterhin genug Öl auf dem Markt. Ähnlich äußerte sich die US-Regierung.

Opec-Präsident Purnomo Yusgiantoro hatte gesagt, er sei besorgt über die hohen Ölpreise. Seine Organisation werde deshalb ihr Bestes tun, um den Anstieg zu stoppen. Er kündigte für das Opec-Treffen Mitte September „ein bedeutendes Ergebnis an“, ohne aber genauere Angaben zu machen. Nach früheren Angaben des Kartells wollen die arabischen Mitgliedsländer bis zum Jahr 2006 rund 46 Milliarden Dollar in Energieprojekte stecken. Besonders der saudische Ölminister Ali al-Naimi hatte vor kurzem betont, sein Land werde die Förderkapazitäten stark erhöhen. Eine schnelle Entspannung am Ölmarkt erwarte er jedoch nicht. „Niemand kann im Umfeld dieser Tage den Ölpreis bestimmen“, sagte er in einem Interview.

„Es wird viel geredet“, sagte IEA-Experte Rehaag. „Jetzt muss die Opec aber zeigen, dass sie es wirklich ernst meint.“ Er sei jedoch davon überzeugt, dass Saudi-Arabien tatsächlich beunruhigt ist. Die Produktion sei in den vergangenen Monaten stark gestiegen. „Und ich glaube, dass sie noch mehr tun können“, sagte Rehaag. Allerdings dauere es bis zu anderthalb Jahre, bis neue Kapazitäten genutzt werden können. Die hohen Preise seien weder für Ölproduzenten noch Ölverbraucher gut, sagte Rehaag. Die Opec befürchtet auch, dass der Öl-Absatz schrumpfen könnte, weil die Verbraucher nach günstigeren Energiequellen suchen und das Wirtschaftswachstum und damit auch der Verbrauch durch das teure Öl gedämpft werden könnten.

Seit mehr als zwei Wochen hat der Ölpreis fast täglich Rekorde aufgestellt. Eine Erholung gab es nur am vergangenen Montag, als der venezolanische Präsiden Hugo Chavez per Volksabstimmung im Amt bestätigt wurde. Dadurch fiel ein Unsicherheitsfaktor weg, weil nach einer Abwahl oder einem knappen Ergebnis mit Streiks gerechnet wurde. Jetzt ist wieder der Irak in den Mittelpunkt gerückt. Das Land exportiert zurzeit nur eine Million Barrel Öl pro Tag, weil eine der wichtigsten Pipelines nach einem Anschlag gesperrt ist. Normalerweise beläuft sich der Export auf zwei Millionen Barrel. Wegen neuer Terrordrohungen wird jetzt sogar ein Totalausfall befürchtet.

Negative Auswirkungen des teuren Öls auf die Konjunktur gibt es aber vorerst nicht. EU-Kommission und der Internationale Währungsfonds (IWF) erwarten sogar einen zunehmenden Aufschwung. Der EU-Kommissar für Wirtschaft und Währung, Joaquin Almunia, sagte, die Ölpreisentwicklung bereite zwar Sorgen, er sei aber zuversichtlich. Er erwarte, dass sich die Erholung fortsetze und die letzte Wachstumsprognose für 2004 von 1,7 Prozent für die Euro-Zone übertroffen werde. Der IWF erwartet nach vorläufigen Berechnungen für die Weltwirtschaft ein Plus von 4,9 Prozent – das stärkste Wachstum seit 25 Jahren. Vor wenigen Monaten hatte der IWF erst seine Prognose von 4,0 auf 4,6 Prozent erhöht.

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