Wirtschaft : Ölpreis: Spannungen zwischen Irak und Kuwait

Keine Entwarnung auf den Rohstoffmärkten: Öl wird nach Einschätzung von Experten bis auf weiteres teuer bleiben. Zwar gaben am Dienstag die Preise in London leicht nach. Neue Spannungen zwischen Irak und Kuwait, die sich gegenseitig des Diebstahls von Rohöl beschuldigen, hatten am Montag aber den Ölpreis nach oben getrieben. Rohöl der marktführenden Sorte Brent hatte sich um mehr als einen Dollar auf knapp über 31 Dollar pro Barrel (159 Liter) verteuert. Zu spüren bekommen das vor allem die Autofahrer: Nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) mussten für den Liter Benzin im September durchschnittlich sechs Pfennig mehr bezahlt werden als noch im August. Dem harten Wettbewerb der Tankstellen werden nach MWV-Schätzungen zahlreiche Anbieter zum Opfer fallen. Um bis zum Jahr 2010 eine wirtschaftlich gesunde Struktur zu erreichen, müssten 4000 Stationen vom Markt verschwinden.

Im elektronischen Handel wurde das Barrel (159 Liter) der marktführenden Sorte Brent am Dienstagmorgen mit 30,95 Dollar um 13 Cents billiger gehandelt als am Vorabend. Leichtes US-Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) verbilligte sich um zehn Cents auf 32,08 Dollar je Barrel.

Irak und Kuwait, die beide der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) angehören, bezichtigen sich gegenseitig des Diebstahls von Rohöl. Der Konflikt Iraks mit Kuwait war vor zwei Wochen mit verantwortlich für den Ölpreisanstieg auf ein Zehnjahreshoch von knapp 35 Dollar pro Barrel gewesen. Der Irak hatte Kuwait vorgeworfen, an der Grenze zwischen den beiden Ländern Öl aus irakischen Feldern zu fördern und mit nicht näher bezeichneten "Maßnahmen" gedroht. Kuwait bezichtigte nun seinerseits Irak des Diebstahls großer Mengen von Rohöl aus einer Pipeline an der Grenze zwischen beiden Staaten.

Unterdessen unterstützte das Nachbarland Iran die von Saudi-Arabien angeregte Ölpreisspanne von 22 bis 28 Dollar pro Barrel. Der iranische Erdölminister Sabah Zanganeh sagte in Teheran, dieser Vorschlag werde auf jeden Fall begrüßt. Innerhalb der Opec dürfte es nach Überzeugung von Zanganeh keine Probleme geben. Es müsse aber noch von den Industrieländern über eine solche Preisspanne gesprochen werden.

Weder die ab 1. Oktober wirksame Erhöhung der Ölfördermenge der Opec um 800 000 auf 26,2 Millionen Barrel pro Tag noch die bevorstehende Freigabe von 30 Millionen Barrel aus der strategischen Reserve der USA konnten bislang den Aufwärtstrend der Ölpreise nachhaltig bremsen. Händlern zufolge wirkte im Gegenteil die schwindende Aussicht auf eine Inanspruchnahme von strategischen Reserven in der EU wieder preistreibend.

Wie der Mineralölwirtschaftsverband in Hamburg mitteilte, kostete ein Liter Eurosuper im vergangenen Monat durchschnittlich 2,07 Mark. Im Vergleich zum September des Vorjahres seien die Preise an den Zapfsäulen um 28,4 Pfennig je Liter gestiegen. Die Importkosten für einen Liter Eurosuper hätten im September um 4,5 Pfennig auf 54,9 Pfennig angezogen. Im Vergleich zum Vorjahr müssten die Mineralölfirmen am Rotterdamer Markt jetzt 23 Pfennig mehr je Liter ausgeben. Zusammen mit den Steuern stiegen die Benzinkosten dem MWV zufolge im vergangenen Jahr aber um 32,8 Pfennig. Derzeit machten die Mineralöl- und die Mehrwertsteuer 1,39 Mark oder 67 Prozent des Benzinpreises aus, teilte der MWV weiter mit.

Angesichts eines rückläufigen Kraftstoffverbrauchs sei davon auszugehen, dass in zehn Jahren nur noch etwa 50 (1999: 55) Milliarden Liter über die deutschen Tankstellen abgesetzt werden können. Wenn bei diesem niedrigeren Niveau ein wirtschaftlich sinnvoller Durchschnittsabsatz von vier (3,35) Millionen Liter jährlich an den Tankstellen erreicht werden soll, dann müsste ihre Zahl in Deutschland auf 12 500 sinken. Der scharfe Preiswettbewerb hat laut MWV im ersten Halbjahr 2000 an den Tankstellen zu Verlusten von rund einer Milliarde Mark geführt. Das Ausscheiden von rund 4000 Stationen aus dem Markt innerhalb eines Jahrzehnts ist laut MWV "keine unüberwindliche Aufgabe". Immerhin seien im Durchschnitt der letzten 30 Jahre jährlich etwa 1000 Stationen aus dem Markt ausgeschieden.

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