Ölpreis : Teures Öl macht den Firmen zu schaffen

Der Ifo-Geschäftsklima sinkt im Juni auf Zwei-Jahres-Tief. Der Ölpreis steigt derweil auf 137 Dollar.

Carsten Brönstrup
Oel
Öl, hier im Hamburger Hafen, wird immer kostbarer. -Foto: dpa

BerlinAngesichts der stark gestiegenen Energiepreise hat sich die Stimmung in den deutschen Unternehmen im Juni merklich eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklima-Index ging von 103,5 Punkten im Vormonat auf nun 101,3 Punkte zurück, wie das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung am Montag in München mitteilte. Das ist der schlechteste Wert seit Dezember 2005. „Die stark gestiegenen Ölpreise belasten offenbar zunehmend die deutsche Wirtschaft“, sagte Institutspräsident Hans-Werner Sinn.

Der deutsche Aktienindex Dax rutschte daraufhin ins Minus, konnte sich am Ende des Handelstages aber in die Pluszone retten. Der Ifo-Index ist der Konjunkturindikator mit der höchsten Aussagekraft hierzulande. Allmonatlich werden dafür 7000 Unternehmen nach ihrer Lage und ihren Plänen für die kommenden sechs Monate befragt. Beide Teil-Indikatoren trübten sich im Juni ein.

In der Industrie habe sich das Klima „deutlich“ abgeschwächt“, erklärte das Ifo-Institut. Es erwartet vom Auslandsgeschäft geringere Impulse. Trotz des starken Euros werde der Export aber nicht einbrechen. Auch Groß- und Einzelhandel berichteten von schlechterer Stimmung, nur auf dem Bau lief es besser.

„Dunkle Wolken ziehen über der deutschen Wirtschaft auf“, kommentierte Andreas Rees, Deutschland-Chefökonom von Unicredit, die Ergebnisse. Die Zeichen verdichteten sich, dass die Abschwächung der Konjunktur im Ausland zusammen mit den hohen Ölpreisen ihre Spuren hinterließen. „Weitere Stimmungseintrübungen in den kommenden Monaten sind sehr wahrscheinlich“, der Ifo-Index werde deutlich unter 100 Punkte im zweiten Halbjahr sinken. Holger Schmieding, Europa-Chefökonom der Bank of America, warnte die Europäische Zentralbank, im Juli die Zinsen anzuheben. Damit gehe sie ein „großes Risiko“ ein. Sie laufe Gefahr, einen Großteil der Schuld für das scharfe Abbremsen der Konjunktur in Europa zugeschoben zu bekommen, das nun anstehe.

An den Rohstoffmärkten stiegen derweil die Preise weiter. Ein Barrel (159 Liter) Leichtöl kostete an der New Yorker Börse am Montag zeitweise 137,08 Dollar, 1,72 Dollar über dem Schlusskurs von Freitag. Die Ankündigung des größten Ölförderers Saudi- Arabien auf dem Ölpreisgipfel in Dschidda, die Fördermenge erhöhen zu wollen, hat demnach offenkundig nichts gebracht. Das Land will 200 000 Barrel am Tag mehr fördern, insgesamt also 9,7 Millionen. Bereits im Mai war die Tagesproduktion um 300 000 Barrel gesteigert worden. Der Rekordpreis für ein Fass Öl liegt bei mehr als 139 Dollar, der vor zwei Wochen erzielt wurde. Als Grund für den Preisanstieg nennen Experten Konflikte in erdölproduzierenden Ländern und neue Spekulationen an den Finanzmärkten.

Fritz Vahrenholt, Chef der Ökostromsparte beim Energiekonzern RWE, sagte für den nächsten Aufschwung einen Barrel-Preis von 250 Dollar voraus. „Das sind dann 2,50 Euro für den Liter Benzin und 150 Euro für den Kubikmeter Heizöl“, prognostizierte er im Deutschlandfunk. „Wir wissen, dass alle Staaten der Ölförderländer am Anschlag produzieren“, sagte er. Eine Steigerung der Förderung helfe vielleicht ein Jahr lang.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben