Wirtschaft : Ölpreis verdirbt dem Dax die Stimmung

Veronika Csizi

Jede Menge guter Quartalszahlen nützten dem Dax im August nichts. Fest im Würgegriff des Ölpreises fiel der deutsche Leitindex bis zur Monatsmitte auf ein neues Jahrestief bei 3618 Punkten – das waren mehr als sieben Prozent Minus binnen zwei Wochen. Denn parallel dazu stiegen die Ölnotierungen an der New Yorker Warenterminbörse fast bis auf 50 Dollar je Barrel.  Erst als der Ölpreis wieder deutlich fiel, hatte der Dax Raum nach oben.

Vergangene Woche setzten die deutschen Standardwerte zur Gegenreaktion an und lieferten die beste Wertentwicklung seit fünf Monaten ab. Bloß der Optimismus ließ sich in dieser Woche nicht aufrecht erhalten. Am Schluss blieb ein Minus von rund 100 Punkten im Vergleich zum Monatsanfang.

Wer auf einzelne Papiere statt auf den Index gesetzt hatte, ist im August mehrheitlich  besser gefahren: 17 der 30 Dax-Werte haben den Index zum Teil deutlich überflügelt, allen voran Tui, Adidas-Salomon und Continental. Europas größtes Reiseunternehmen profitierte dabei vor allem von Spekulationen über einen neuen Großaktionär, der den 31-prozentigen Anteil der WestLB übernehmen könnte, aber auch von der überraschenden Nachricht, dass die US-Bank Morgan Stanley ihre Beteiligung auf mehr als zehn Prozent verdoppelt hat.

 Aktien des Sportartikelherstellers Adidas-Salomon kletterten auf den höchsten Stand seit Herbst 1998, beflügelt durch die olympischen Spiele, unerwartet starke Zuwächse bei Umsatz und Gewinn sowie angehobene Jahresprognosen. Der Automobilzulieferer Continental notiert sogar aktuell fast an seinem Allzeithoch, setzte damit auch im August mit plus 8,8 Prozent seine steile Klettertour seit Frühjahr 2003 weiter fort. Überzeugt hat die Investoren neben einem Großauftrag von Ford vor allem die überraschend gute Quartalsbilanz, nach der zahlreiche Analysten die Kursziele weiter anhoben. Die Deutsche Bank beispielsweise sieht den Conti-Kurs nun in absehbarer Zukunft auf 48 Euro steigen.

Die Autos im Dax dagegen bremste der Ölpreis erheblich. Vor allem Daimler-Chrysler, aber auch BMW und VW litten unter der Sorge vor nachhaltig hohen Spritpreisen und beendeten den August mit deutlich höherem Minus als der Dax. Daimler-Chrysler zum Beispiel notierte Dienstagmittag 7,5 Prozent schlechter als noch vor vier Wochen. Infineon-Aktien haben auch im August ihren steilen Abwärtstrend seit April fortgesetzt und waren das Schlusslicht unter den Dax-Werten. Zum Monatsende hin erholte sich Infineon zwar wieder, doch bleibt unter dem Strich ein Minus von elf Prozent.

Trotz der Dax-Kursgewinne der zweiten Monatshälfte sehen die meisten Analysten noch keine klaren Anzeichen für eine Trendwende. Noch sind auch die Umsätze – bedingt durch die Sommerferien – sehr gering.

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