Ölpreis : Wer das Geld verdient

Der Preis steckt im Bohrloch, heißt es in der Ölbranche. Das stimmt – aber nur zum Teil. Denn die Wertschöpfungskette vom Rohöl bis zur Zapfsäule ist lang, sie hat mindestens acht Glieder.

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Neben den Kosten der Ölförderung beeinflussen Transport, Handel, Raffinerie, Wechselkursschwankungen, Lagerkosten, Auslieferung und schließlich die Steuer den Preis für Ölprodukte.

Am Bohrloch aber entscheidet sich tatsächlich maßgeblich, wie viel Marge die Beteiligten aus dem Produkt ziehen können. So geht das Hamburger Welt-Wirtschafts-Institut davon aus, dass die Ölförderung in erschlossenen Quellen im Irak derzeit nur rund 1,50 Euro je Barrel (159 Liter) kostet. Vor Alaskas Küste, wo die Förderung komplizierter ist, fallen dafür bis zu 45 Euro an. In Kanada, wo man jetzt auch begonnen hat, Öl aus Sand zu waschen, kostet die Förderung 60 Euro und mehr. Rechnet man nun den Förderpreis für das billige Öl aus dem Nahen Osten auf einen Liter um, entspräche dies einem Preis von knapp einem Cent je Liter.

Fast die Hälfte des Rohöls, das nach Deutschland gelangt, stammt aus den ehemaligen Sowjetrepubliken. In Russland oder Kasachstan kostet der Liter nach der Förderung rund drei Cent. Nach dem Transport durch die 5327 Kilometer lange Druschba-Pipeline zum Beispiel kostet dieser Liter sechs Cent. Während des Transports werden die Ölkontingente an Rohstoffbörsen gehandelt, hier verlangen die ölfördernden Konzerne ihren Anteil, in dem Fall Gazprom oder Lukoil. Nach diesem Schritt kommt der Liter Rohöl zum Preis von 39 Cent in der Raffinerie in Schwedt an der Oder an.

Dort wird der Liter Öl zu Diesel, Benzin oder Kerosin veredelt und für rund 46 Cent weiterverkauft. Dann kommen Kursschwankungen zum US-Dollar zum Tragen, wegen der jüngsten Euroschwäche stieg der Preis leicht auf rund 48 Cent. Einen halben Cent müssen Händler dann für die gesetzliche Zwangsbevorratung (EBV-Abgabe) draufschlagen. Sprithändler verkaufen den Liter Superbenzin dann für 56 Cent: Darin enthalten sind Transport, Verwaltungskosten, der Gewinn für den Tankstellenkonzern und die Tankstellenpächter. Zu diesem Preis kommt der Liter an der Tankstelle an.

Vor dem Verkauf an die Autofahrer greift der Staat zu: Er kassiert 61 Prozent Mineralöl- und Mehrwertsteuer, das sind aktuell 89 Cent. Dann kostet der Liter Superbenzin, der im Süden Russlands für drei Cent als Rohöl aus dem Bohrloch kam, 145 Cent.

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