Wirtschaft : Ölpreise schnellen wieder nach oben

Förderländer wollen ihre Produktion zum 1.April drosseln / Benzin und Heizöl werden voraussichtlich teurer ABU DHABI/LONDON/HAMBURG (AFP/rtr).Zahlreiche Ölförderländer haben angesichts des zuletzt drastischen Ölpreisverfalls die Notbremse gezogen.Nach Saudi-Arabien, Venezuela, Mexiko und Algerien kündigten am Montag auch Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate, Libyen, Kuwait und Oman an, von April an ihre Förderung zu drosseln.Auf den Weltmärkten zogen die Preise für Rohöl daraufhin an.In London stieg der Preis für die Sorte Brent auf dem Terminmarkt auf über 15 Dollar je Barrel (159 Liter).Deutsche Ölfirmen schließen eine Erhöhung der Benzinpreise nicht mehr aus. In den vergangenen Wochen waren die Rohölpreise auf unter 13 Dollar je Barrel und damit den niedrigsten Stand seit fast zehn Jahren gesunken.Die Spotnotierungen für kurzfristige Lieferungen erreichten zeitweilig nur noch 11,05 Dollar je Barrel.Die Gründe für den drastischen Preisverfall waren Überproduktion, volle Lager infolge des milden Winters sowie die nachlassende Nachfrage aus den Krisenländern in Asien.Am Sonntag kamen die bislang innerhalb der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) zerstrittenen Staaten Saudi-Arabien und Venezuela sowie das Nicht-Opec-Mitglied Mexiko überein, ihre Förderung zu drosseln.Ziel ist es, täglich 1,6 bis zwei Mill.Barrel weniger auf dem Weltmarkt anzubieten.Der Initiative schlossen sich am Montag weitere Staaten an.Saudi-Arabien und Venezuela sind innerhalb der Opec die größten Exporteure. Die Allianz der drei Ölgiganten, die sich vor allem den großen US-Markt streitig machen, zeigt nach Einschätzung von Beobachtern, daß die Wirtschaftskraft der Förderländer wirklich bedroht ist.Opec-Mitglieder und Nichtmitglieder konnten sich bislang noch nie auf eine gemeinsame Strategie einigen.Ein Versuch scheiterte 1988 in Wien.Die elf Opec-Staaten Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Venezuela, Nigeria, Katar, Libyen, Kuwait, Iran, Irak, Indonesien und Algerien verfügen über 77 Prozent der Ölreserven der Welt und bestreiten derzeit 40 Prozent der weltweiten Produktion.Davon entfallen 32 Prozent alleine auf Saudi-Arabien.Die Opec-Mitglieder erzeugten im Februar 28,8 Mill.Barrel pro Tag und lagen damit erneut über der erst Ende November um zehn Prozent angehobenen Obergrenze von 27,5 Mill.Barrel. Abzuwarten bleibt, ob die Ankündigungen tatsächlich in die Tat umgesetzt werden.Während etwa Saudi-Arabien angab, seine Fördermenge um 300 000 Barrel pro Tag zu senken, und auch die meisten anderen Staaten konkrete Zahlen nannten, wollte sich Venezuela noch nicht konkret festlegen.Das von der Finanzkrise in Asien besonders betroffene Opec-Mitglied Indonesien begrüßte die Initiative, will aber die eigene Förderung nicht zurücknehmen.Auch die Nicht-Opec-Mitglieder Norwegen und Ägypten erklärten, sie wollten die Fördermenge vorläufig nicht ändern. Fachleute erklärten, die demonstrierte Entschlossenheit der Staaten sei überraschend.Sollten die Pläne tatsächlich umgesetzt werden, könnte der Ölpreis auf 18 Dollar steigen, hieß es in London.Auch dieser Preis sei allerdings noch immer vergleichsweise niedrig.Im Durchschnitt des vergangenen Jahres hatte Rohöl rund 19 Dollar gekostet.Noch im vergangenen Oktober war der Preis wegen der Spannungen zwischen den Vereinten Nationen und Irak auf über 20 Dollar gestiegen.Die Opec selbst strebt seit Jahren einen Preis von 21 Dollar an. Nach Einschätzung der deutschen Mineralölwirtschaft sollten sich die Verbraucher auf höhere Benzinpreise einstellen."Die Märkte haben offenbar Vertrauen, daß es tatsächlich zu Produktionskürzungen kommt und nicht nur bei Ankündigungen bleibt", sagte Thomas Müller von der Deutschen Shell.Es sei allerdings eher fraglich, ob die angestrebte Senkung der Förderung um 1,6 bis zwei Mill.Barrel je Tag ausreichen werde, um den Opec-Wunschpreis von 21 Dollar zu erreichen.Realistischer sei ein Preisniveau um 15 Dollar."Mittelfristig ist ein etwas höherer Rohölpreis für Westeuropa besser, damit die europäischen Ölfelder wirtschaftlich bleiben und weiter erschlossen werden", sagte Müller.Dies diene der Versorgungssicherheit und vermindere die Abhängigkeit von der Opec. "Das ist der seit langem vermißte Schritt, um zu einem besseren Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zu kommen", sagte Alexander Geck von der Esso AG zum Beschluß der Ölstaaten.Auch Harald Graeser von der RWE-DEA begrüßte eine Verknappung der Fördermengen, da die Förderung im Wattenmeer-Feld Mittelplate nur bei höheren Preisen langfristig wirtschaftlich sei."Auf der anderen Seite ist allerdings mit höheren Verbraucherpreisen im Inland zu rechnen", sagte er. Falls sich die Preissteigerungen in den nächsten Tagen verfestigen, werden auch auf dem deutschen Markt die Benzin- und Heizölpreise anziehen."Wann und in welchem Maße läßt sich noch nicht sagen", sagte Geck.Bislang profitierten die Autofahrer in diesem Jahr von der rückläufigen Preistendenz.Benzin verbilligte sich seit Jahresbeginn um etwa acht Pfennig auf durchschnittlich 1,52 DM je Liter.Durch die Mehrwertsteuererhöhung am 1.April steigen die Benzinpreise um einen Pfennig je Liter.

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