Ölpreise : Volltanken, bitte!

Weil die Finanzkrise auch Heizöl billig gemacht hat, bestellen Berliner eifrig. Die Wartezeiten sind lang. Denn schon im vergangenen Winter hatten die Verbraucher wegen der hohen Preise ihre Tanks nicht komplett gefüllt.

Yasmin El-Sharif
Ölhahn
Die weitere Preisentwicklung beim Öl hängt vom Verhalten der Opec-Staaten ab.Foto: ddp

Berlin - Pausenlos klingelt das Telefon im Büro des Heizöllieferanten Leuendorff in Berlin-Pankow. So etwas wie in diesen Tagen hat Geschäftsführer Bert Leuendorff schon lange nicht mehr erlebt. „Momentan bekommen wir bis zu 250 Bestellungen pro Tag“, berichtet er. Üblich seien sonst durchschnittlich 170 Bestellungen. „Die Hausbesitzer haben vorher lange Zeit mit ihren Bestellungen gezögert, jetzt schlagen sie zu.“

Die starke Nachfrage hängt nicht nur mit dem nahenden Winter, sondern auch mit dem stark gefallenen Ölpreis zusammen. Die Angst vor einem weltweiten Wirtschaftsabschwung hatte den Preis für ein Fass an den Rohstoffmärkten in der vergangenen Woche vorübergehend auf unter 70 Dollar gedrückt. Noch im Juli hatte ein Fass mehr als das Doppelte gekostet.

Auch der Preis für Heizöl ist mit nach unten gepurzelt. So kostet der Liter inzwischen nur noch knapp 73 Cent, statt der 88 Cent im Juli. Das ist umso bemerkenswerter, als der Preis für Heizöl im Herbst normalerweise steigt – gerade dann also, wenn Hausbesitzer ihre Tanks für die Wintermonate auffüllen müssen.

„Bei den jetzigen Preisen machen unsere Kunden ihre Tanks wieder voll“, sagt Lieferant Leuendorff. Auch beim Mineralölwirtschaftsverband (MWV) in Hamburg beobachtet man derzeit eine ungewöhnlich starke Nachfrage. Seitdem der Ölpreis sinke, sei der Heizöl-Absatz bundesweit auf weit mehr als zwei Millionen Tonnen pro Monat gestiegen, sagt Sprecherin Karin Retzlaff. Normalerweise liege der durchschnittliche Monatsabsatz bei etwa 1,5 Millionen Tonnen. Dass wieder mehr geordert werde, liege nicht nur an den gesunkenen Preisen, sondern auch am hohen Nachholbedarf, erklärt sie. Im vergangenen Winter seien die Tanks nicht gut gefüllt worden, die Verbraucher warteten ab. Dadurch sei ein enormer Nachfragestau entstanden.

Weil die Zahl der Bestellungen jetzt so stark zugenommen habe, kommen die Lieferanten inzwischen kaum noch hinterher. „Verbraucher müssen sich auf längere Lieferzeiten einstellen“, sagt Retzlaff. Regional könnten diese sehr unterschiedlich ausfallen, aber im Schnitt müsse man mit einer Lieferzeit von zwei bis drei Wochen rechnen. Die Verbandssprecherin sieht jedoch keinen Grund zur Sorge. „Mir ist kein Fall bekannt, dass jemand nicht bedient worden ist.“

Auch Steffen Apelt, Geschäftsführer des Berliner Mineralölhandels BHM, beruhigt. „Wenn es solche Spitzen gibt, arbeiten wir mit Spediteuren zusammen, um alle unsere Kunden zu bedienen“, sagt Apelt. Weil nun alle Spediteure im Einsatz seien, betrage die Lieferzeit nun etwa eine Woche, zeitweise habe sie aber auch bei drei Wochen gelegen. Sein Wettbewerber Leuendorff hat ebenfalls vorgesorgt und sein Personal vorübergehend aufgestockt. „Als im September alle mit den Bestellungen anfingen, hatten wir in der Spitze bis zu vier Wochen Lieferzeit. Mit dem zusätzlichen Personal haben wir diese wieder verkürzen können“, sagt Leuendorff.

Eine Empfehlung, ob die Haushalte, die sich bisher zurückgehalten haben, nun zuschlagen oder auf noch niedrigere Preise spekulieren sollten, will niemand abgeben. Die weitere Entwicklung des Ölpreises sei nicht absehbar, sagt Rainer Wiek vom Hamburger Energie-Branchendienst EID. Allerdings gebe es auch keine Anzeichen dafür, dass die Preise schon bald wieder dramatisch steigen könnten. Einiges deute sogar darauf hin, dass es weiter abwärts gehen könnte. „Die Wirtschaft bricht ein, alles sieht nach einer Rezession aus“, sagt Wiek. „Das spricht für sinkende Preise, weil weniger Energie verbraucht wird.“ Außerdem seien die Spekulanten an den Märkten in den Hintergrund getreten. Diese hatten den Rohölpreis in den vergangenen Monaten in die Höhe getrieben. Dieter Blümmel, Sprecher beim Berliner Haus- und Grundbesitzerverband, ist deshalb der Meinung, dass man sich mit dem Heizölkauf noch ein paar Tage Zeit lassen kann.

Entscheidend für die weitere Entwicklung könnte das Verhalten der Opec-Staaten sein, die sich Ende kommender Woche zu einer Sitzung treffen. Die Agentur WAM aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zitiert eine Person aus der Opec, es werde eine Drosselung um ein bis 1,5 Millionen Barrel pro Tag ab dem 1. November erwogen. Entschließt sich die Gemeinschaft der größten Ölförderländer zu einer Kürzung, dürfte es für Verbraucher wieder teurer werden.

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