Österreich : Bawag-Skandal: Fast zehn Jahre Haft für Ex-Chef

Nach den milliardenschweren Verlusten bei der österreichischen Gewerkschaftsbank Bawag sind alle neun Verantwortlichen zu Haftstrafen verurteilt worden. Der 73-jährige frühere Chef Helmut Elsner muss sogar für knapp zehn Jahre ins Gefängnis.

Elsner
Der Hauptangeklagte Helmut Elsner vor Gericht. -Foto: dpa

WienIm größten Finanzskandal in der Geschichte Österreichs sind die Hauptverantwortlichen zu hohen Haftstrafen verurteilt worden. Der ehemalige Chef der Gewerkschaftsbank Bawag, Helmut Elsner, muss wegen Betrugs und Bilanzfälschung für neuneinhalb Jahre ins Gefängnis, wie Richterin Claudia Bandion-Ortner verkündete.

Er habe als Vorstand der Bawag seine Befugnisse missbraucht und der Bank mit hochriskanten Geldgeschäften einen Schaden von rund 1,7 Milliarden Euro zugefügt. Die Bawag, einst zu 100 Prozent im Besitz des Österreichischen Gewerkschaftsbundes, konnte 2006 nur mit Millionenhilfen des Staates vor dem Zusammenbruch gerettet werden. Für 3,2 Milliarden Euro wurde sie dann an den US-Investor Cerberus verkauft.

Berufung möglich

Der 73-jährige Elsner war nach einem langen Katz-und-Maus-Spiel mit der österreichischen und der französischen Polizei 2006 in einer Luxusvilla in Südfrankreich festgenommen worden. Nach mehreren Verzögerungen wegen seines schlechten Gesundheitszustandes wurde er im Februar 2007 nach Österreich ausgeliefert und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Im Gefängniskrankenhaus wurde er am Herzen operiert. Der Prozess begann im Juli vergangenen Jahres.

Neben Elsner erhielten alle acht weiteren Angeklagten Haftstrafen von 18 Monaten bis zu fünf Jahren. Elsners Nachfolger an der Spitze der Bank, Johann Zwettler, muss wegen Bilanzfälschung für fünf Jahre ins Gefängnis. Er war laut Anklage verantwortlich für einen Verlust von 1,6 Milliarden Euro. Zwei ehemalige Vorstandsmitglieder wurden zu je dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Auch der Wirtschaftsprüfer, der die gefälschten Bilanzen abnahm, erhielt eine Haftstrafe. Alle Verurteilten können Berufung einlegen. (jvo/AFP)

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