Wirtschaft : Österreich: Nur Vorstände mit richtigem Parteibuch bleiben im Amt

Paul Kreiner

"Rambo-Stil", "Management by Chaos", "dilettantisch" - in Österreich wächst der Unmut über die Personalentscheidungen der Staatsholding ÖIAG und ihre parteipolitisch motivierte Säuberungswelle.

Beobachter, die mit dem Zählen noch nachkommen, sagen, an die 40 seien es bereits. 40 Führungskräfte teilstaatlicher Unternehmen haben seit dem Regierungswechsel vor 16 Monaten ihren Job verloren. Immer neue werden demontiert, das Motiv meist mehr schlecht als recht getarnt: Nach dem Ende der dreißigjährigen sozialdemokratischen Vorherrschaft schleift die schwarz-blaue Regierung die traditionell roten Bastionen. Dass Hast und Obsession aber keine guten Ratgeber sind, zeigt sich dieser Tage am Durcheinander um die Vorstandsposten bei den Austrian Airlines (AUA) und der Telekom Austria.

Mit dem ersten Versuch, Mario Rehulka und Herbert Bammer als Führungsduo der Nationalfluglinie auszuhebeln, war die Staatsholding ÖIAG schon vor gut einem halben Jahr gescheitert. Wegen taktisch ungeschickter Vorbereitung war im Aufsichtsrat kein Durchkommen. Unter anderem diese Panne galt als Anlass, den einen der beiden ÖIAG-Chefs, den Sozialdemokraten Rudolf Streicher, für teures Geld in Pension zu schicken.

Nun ist die nächste Peinlichkeit passiert. Für sie wird der zweite ÖIAG-Manager, der politisch korrekt gefärbte Johannes Ditz, verantwortlich gemacht. Mitte Mai hat er verkündet, das Aufsichtsratspräsidium der Airlines habe die vorzeitige Vertragskündigung für die zwei AUA-Chefs beschlossen. Jetzt hat sich herausgestellt, dass der Beschluss einen entscheidenden Formfehler hatte: Ditz hatte in der Eile ein Aufsichtsratsmitglied zum Präsidium gerechnet, das dem gar nicht angehört. Einer nachträglichen Sanktionierung des Beschlusses verweigern sich die drei Bankenchefs im Aufsichtsrat - die es zuvor schon abgelehnt haben, die ihnen übersandte Rücktrittserklärung zu unterschreiben und so den Weg für einen Umbau des Aufsichtsrats freizumachen.

Am 27. Juni tagt der AUA-Aufsichtsrat wieder. Selbst wenn es dabei gelingt, die beiden Vorstände zu entfernen, gibt es noch keine Nachfolger. Das ist der Punkt, der an der Personalpolitik der ÖIAG am meisten kritisiert wird: Es werde, so heißt es in allen Kommentaren, in erster Linie demontiert. Etwas Besseres, Zukunftsträchtiges bringe man bei der ÖIAG und den politischen Dränglern in der Koalition nicht zu Stande. Diese "Politik der verbrannten Erde" halten selbst regierungsnahe Medien für skandalös.

Gegenüber der Telekom Austria sind die ÖIAG-Führung und ihr nach dem Regierungswechsel komplett erneuerter Aufsichtsrat ähnlich vorgegangen wie gegenüber den Austrian Airlines. In beiden Fällen haben führende Aufsichtsräte die Arbeit der Vorstände schlecht geredet - und damit das Unternehmens-Image beeinträchtigt. Auch die Aktienkurse gingen in den Keller, was insbesondere die Telekom Austria und ihre zahllosen neuen Kleinaktionäre ärgert. Der erst vor gut einem Jahr ausgewechselte Telekom-Vorstand war trotz erheblicher Restrukturierungs- und Sanierungszwänge im Herbst zu einem Börsengang gedrängt worden. 25 Prozent der Anteile wurden dabei verkauft und als "Volksaktie" beworben. Das Ganze endete in einem veritablen Flop.

Das wiederum lastet Ditz nun dem Telekom-Management an. Wiederholt, über Wochen hinweg, hat Ditz den Telekom-Chef, Heinz Sundt, und dessen drei Vorstandskollegen kritisiert und ihre Ablösung in Aussicht gestellt. Sundt wehrt sich nach Kräften. Dabei konnte er zuletzt auf ansehnliche Quartalszahlen verweisen. Zudem hat er mittlerweile die Belegschaftsvertreter im Aufsichtsrat als Bündnispartner gewonnen. So geschah etwas Unerwartetes: Bei der mit Spannung erwarteten Sitzung des Telekom-Aufsichtsrats am Mittwoch strich Ditz den Punkt "Vorstandsangelegenheiten" kurzfristig von der Tagesordnung. Hämisch feixt nun der Betriebsrat. Es war aber wohl nicht nur die Furcht vor einer Abstimmungsniederlage, die Ditz zum Rückzug bewegte: Seine Suche nach Telekom-Managern war offenbar erfolglos geblieben. Einen Vorstandschef hatte er zwar gefunden, ihn den Betriebsräten auch vorgestellt. Der Mann aber, ein Schweizer Papierindustrieller, droht nun wieder abzuspringen. Ihm seien, so sagt man in den einschlägigen Kreisen, diese Wiener Verhältnisse nicht geheuer.

Immerhin ist die ÖIAG einer Vorgabe der Regierung schon ganz gut nachgekommen: Der Schuldenstand der Staatsholding hat sich von 12,31 Milliarden Mark (6,29 Milliarden Euro) auf 5,39 Milliarden Mark (2,75 Milliarden Euro) mehr als halbiert. Dies gelang hauptsächlich durch den Verkauf der staatlichen Postsparkasse, der Staatsdruckerei, der Anteile am Flughafen Wien sowie durch die Teilprivatisierung der Telekom.

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