Wirtschaft : Oetker hält an Kindl und Schultheiss fest

Die Hypo-Vereinsbank verkauft ihren Anteil an Brau und Brunnen. Der Lebensmittelkonzern will die Mehrheit

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Berlin / Frankfurt (Main) (msh/ro). Der Lebensmittelkonzern Oetker will die Getränkegruppe Brau und Brunnen nach einer erfolgreichen Übernahme nicht zerschlagen. „Wir kaufen und integrieren“, sagte RadebergerChef Ulrich Kallmeyer, der die Transaktion für Oetker durchgeführt hat. Branchenexperten und Gewerkschafter erwarten, dass die Übernahme nicht ohne Folgen für die Standorte bleiben wird. „Die Fusionspartner haben Überschneidungen in Berlin, Dortmund und Leipzig. Eine Zusammenführung macht Sinn“, sagte Franz-Josef Möllenberg, Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG), dem Tagesspiegel.

Die Brauerei-Gruppe Radeberger gehört zum Lebensmittelkonzern Oetker, der sich die Übernahme von Brau und Brunnen rund 600 Millionen Euro kosten lässt. Dies sei ein strategischer Preis, der mit der guten Marktposition des Konkurrenten zu rechtfertigen sei, sagte Kallmeyer. Mit Brau und Brunnen vereinigt Radeberger rund 40 Biermarken unter einem Dach, darunter Jever, Berliner Pilsner oder Clausthaler. 220 Millionen Euro erhält die Hypo-Vereinsbank, die ihren Anteil von 61,7 Prozent an Brau und Brunnen verkauft. Den übrigen Aktionären wird bis Mitte März ein Übernahmeangebot von 80 Euro je Aktie unterbreitet – rund 14 Prozent mehr als der Kurs des Papiers von Anfang Februar.

Pizza, Pils und Pudding

„Pils passt prima zu Pudding und Pizza“, schilderte Kallmeyer die Bandbreite der Produkte des Lebensmittelkonzerns. Oekter zahlt die Übernahme aus seiner prall gefüllten Kasse. Die Bielefelder wollen sich mindestens 75 Prozent des stimmberechtigten Kapitels bei Brau und Brunnen sichern. Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) hält das Angebot von 80 Euro für fair, rät den Kleinanlegern aber, ihre Papiere vorerst zu behalten. „Entscheiden sich nicht alle Aktionäre für den Verkauf ihrer Aktien, wird Oetker das Angebot nachbessern müssen“, sagte SdK-Sprecher Michael Kunert dem Tagesspiegel. Über kurz oder lang werde Brau und Brunnen vom Kurszettel verschwinden.

Über mögliche Synergien, einen möglichen Arbeitsplatzabbau oder die Schließung von Brauereien sagten Kallmeyer und Brau-und-Brunnen-Chef Michael Hollmann am Freitag nichts. Beide Gruppen sollten zunächst eigenständig weitergeführt werden. Branchenkenner zweifeln aber, dass es dabei bleiben wird. „Die Portfolios von Radeberger und Brau und Brunnen passen gut zusammen“, sagte Rudolf Böhlke, Konsumgüterexperte der Unternehmensberatung Ernst & Young. Kostensenkungen ließen sich aber nur durch die Zusammenführung von Aktivitäten erzielen. Allein in Berlin besitzt die neue Gruppe die Marken Kindl, Schultheiss und Berliner Pilsner (siehe Kasten). Auch die Gewerkschaft NGG gibt sich keinen Illusionen hin. „In Verwaltung, Vertrieb und der Produktion könnte es zu Arbeitsplatzverlusten kommen“, sagte NGG-Chef Möllenberg. Er bot Oetker Gespräche an, um einen Stellenabbau zu verhindern. Dabei denkt Möllenberg vor allem an Modelle der Arbeitszeitverkürzung wie sie bereits bei Opel oder VW eingeführt wurden. Die neue Getränke-Gruppe wird rund 5900 Mitarbeiter beschäftigen.

Mit der Fusion von Radeberger und Brau und Brunnen setzt sich die Konzentration auf dem deutschen Biermarkt fort. Vor wenigen Wochen hatte die dänische Carlsberg-Brauerei mit Holsten einen der größten deutschen Brauer übernommen. In den Jahren zuvor waren internationale Branchengrößen wie die belgische Interbrew (Beck’s, Diebels) und die holländische Heineken in den deutschen Markt eingestiegen. Radebergerwird nach der Übernahme des Dortmunder Konkurrenten mit einem Marktanteil von 15 Prozent vor Interbrew und Bitburger die Nummer eins auf dem deutschen Markt.

Radeberger-Chef Kallmeyer kündigte weitere Zukäufe an. Beobachter erwarten ebenfalls, dass die Übernahmewelle weitergeht. „In den Nachbarländern sind die Marktanteile der großen Brauereien deutlich höher als in Deutschland“, sagte Ernst & Young-Berater Böhlke. „Besonders mittelständische Brauereien mit starken Marken kommen unter Druck.“ Noch selbstständig sind die Biermarken Warsteiner, Veltins oder Krombacher. Angetrieben werde die Entwicklung durch den sinkenden Bierabsatz und das Einwegpfand. So sei Holsten vor allem deshalb unter Druck geraten, weil es einen Dosenanteil von mehr als 50 Prozent hatte und daher überproportional Umsatz verloren hat.

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