Wirtschaft : ÖTV-Chef Mai fordert Kompromiss beim vorzeitigen Ruhestand - Minister Müller warnt Gewerkschaften

28.12.1999 00:00 Uhr

Nach der IG Metall hat auch ÖTV-Chef Herbert Mai mit einer reinen Lohnrunde gedroht, falls es im Bündnis für Arbeit keine Annäherung bei der Rente mit 60 gibt. Bundeswirtschaftminister Werner Müller (parteilos) kritisierte, die Zielsetzungen in dem Bündnis würden durch Prestigekämpfe Einzelner auf Arbeitgeber- und Gewerkschaftseite belastet. Mai sagte am Dienstag, wenn die Arbeitgeber den Weg eines zeitlich befristeten früheren Ausscheidens aus Prinzip nicht beschreiten wollten, sehe er keine Einigung im Bündnis. "Dann gibt es im nächsten Jahr fast in allen Gewerkschaften eine reine Lohnrunde, wo dann in der Tat über die Nachfrage versucht wird, zu Wachstum und zu Beschäftigung zu kommen", betonte der Chef der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr im Westdeutschen Rundfunk.

Müller sagte, man könne das Modell der Rente mit 60 nicht mit Zwang über die gesamte deutsche Wirtschaft legen. Und die Arbeitgeber könnten nicht so tun, als gäbe es solche Regelungen für eine frühe Rente nicht schon breit angelegt in Unternehmen. Ankündigungen harter Lohnrunden wies er scharf zurück. "Dies würde unserem Bemühen, die Wirtschaft in Schwung zu bringen und zu halten, um neue Arbeitsplätze zu schaffen, zuwiderlaufen", erklärte er im Nachrichtensender n-tv. Mai appellierte, vor dem nächsten Bündnis-Termin noch einmal zwei Wege auszuloten. Die eine Frage sei, ob die Abschläge für einen früheren Renteneintritt von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gemeinsam finanziert werden können. Der andere Weg wäre, erneut zu prüfen, ob ein früheres Ausscheiden möglich sei, wobei das Alter 60 nicht "dogmatisch" sein müsse. "Da kann auch ein anderes Alter oberhalb von 60 vereinbart werden", betonte er. "Das Schlagwort Rente mit 60" finde er nicht gut.

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