Wirtschaft : ÖTV drängt auf Arbeitgeber-Angebot

DÜSSELDORF/BERLIN (HB).Während die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes einen Tag vor Beginn der dritten Tarifrunde ihre Warnstreiks am Donnerstag noch einmal massiv ausgeweitet haben, traten die Metall-Tarifparteien in Berlin und Nordrhein-Westfalen zu ihren entscheidenden Gesprächen über die Übernahme des Böblinger Schlichtungsspruchs zusammen.

Die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV), die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) rückten für die Tarifverhandlungen für die 3,2 Millionen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes die Forderung nach einem konkreten Verhandlungsangebot der Arbeitgeberseite in den Mittelpunkt.Im Tagesverlauf legten bundesweit rund 100 000 Beschäftigte in 155 Städten für mehrere Stunden die Arbeit nieder.Die Gewerkschaften fordern 5,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt, zusätzliche Ausbildungsplätze und die Übernahme der Lehrlinge.

Im Vorfeld der Verhandlung in Berlin und Wuppertal demonstrierten nach Angaben der IG Metall Zehntausende von Beschäftigten auf Kundgebungen der Gewerkschaft für die Annahme des Metall-Kompromisses.Dieser sieht eine lineare Anhebung der Löhne und Gehälter um 3,2 Prozent ab 1.März, eine Abschlagszahlung von 350 DM für die Monate Januar und Februar und eine Einmalzahlung von einem Prozent des Jahresentgelts vor.Für Ost-Berlin und Brandenburg geht die Gewerkschaft davon aus, daß ein West-Lohnabschluß mit einem Monat Verzögerung übertragen wird.In der Region sind 100 000 Metaller beschäftigt, in Nordrhein-Westfalen rund 800 000.

Der Metallabschluß, der inzwischen in nahezu allen westdeutschen Bezirken übernommen wurde, hat in den Regionalverbänden der Branche eine neue Diskussion um den Flächentarifvertrag und die Einrichtung von Verbänden ohne Tarifbindung ausgelöst.Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie Rheinland-Rheinhessen (VEM), Franz-Josef Mäckler, bezeichnete im Deutschlandradio Berlin den Flächentarifvertrag in der Metallindustrie als "Auslaufmodell".Die vom VEM am Mittwoch angekündigte Absicht, einen Arbeitgeberverband ohne Tarifbindung (OT-Verband) ins Leben zu rufen, begründete der Hauptgeschäftsführer mit dem Hinweis, daß schwächere Firmen nur auf diese Weise ihre Arbeitsplätze erhalten könnten.

Bei den Tarifverhandlungen für die rund 50 000 Beschäftigten der Deutschen Lufthansa hatten sich Arbeitgeber und Gewerkschaften am Mittwoch abend geeinigt.Löhne und Gehälter des Boden- und Bordpersonals steigen zum 1.März um 3,5 Prozent.Für Januar und Februar gibt es eine Pauschalzahlung von 440 DM.Außerdem wurden als Ergebnisbeteiligung für 1998 eine Sonderzahlung sowie ein Bonus von zehn Prozent eines Monatsgehalts vereinbart.

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