Wirtschaft : ÖTV: Niemand will Mai nachfolgen

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Eigentlich sollte am Mittwoch der geschäftsführende Hauptvorstand der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) gewählt werden mit einem alten und dann auch neuen Vorsitzenden Herbert Mai an der Spitze. Mit dem Rückzug Mais war die Tagesordnung des Leipziger Gewerkschaftstages nicht mehr zu halten; bevor gewählt werden kann, muss ein Kandidat gefunden werden.

Dazu zog sich am Mittwochabend der aus 76 Mitgliedern bestehende Hauptvorstand der Gewerkschaft zurück, um, wahrscheinlich aus seiner Mitte, den Delegierten nunmehr am Donnerstag einen neuen Vorsitzendenkandidaten vorzuschlagen. Doch wer kommt in Frage?

Von den jetzigen Mitgliedern des geschäftsführenden Hauptvorstands kandidieren nur Ulla Derwein und Jan Kahmann erneut für das Spitzengremium; für den Posten des Vorsitzenden dürfte das Profil der beiden aber zu schwach sein. Das gilt aber auch für die 16 Bezirksvorsitzenden der Gewerkschaft. Wenn überhaupt, dann wird Gerold Schaup, Vorsitzender des Bezirks Hessen und ein Verdi-Befürworter, als möglicher neuer Vorsitzender gehandelt. Vermutlich geben bei der Kandidatenkür aber sozusagen Verdi-taktische Erwägungen den Ausschlag: Wenn man einen Verdi-skeptischen ÖTVler an die Spitze wählt, dann hat dieser womöglich bessere Chancen als ein Verdi-Befürworter, die Zweifler und Kritiker unter den ÖTV-Delegierten zu überzeugen und bis zum außerordentlichen Gewerkschaftskongress im März des kommenden Jahres die erforderlichen 80 Prozent zusammenzubekommen. Dann hätte der Rückzug Mais doch noch einen positiven Effekt gehabt.

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