Wirtschaft : Offene Stelle in Nürnberg

Gerster übt heftige Kritik/ Clement will sich nicht auf einen Nachfolger festlegen/Kandidatensuche in Davos

Jürgen Zurheide/Tsp

Düsseldorf/Berlin. Der gefeuerte Chef der Bundesagentur für Arbeit, Florin Gerster, hat am Sonntagabend in der Sendung von Sabine Christiansen heftige Kritik am Verwaltungsrat der Bundesagentur geübt. Die Frage, ob sich aus dem Bericht der Innenrevision Verstöße bei der Vergabe von Beraterverträgen ableiten ließen, habe bei seiner Abberufung gar keine Rolle mehr gespielt. Auf die Frage, warum er nicht zurückgetreten sei antwortete Gerster: „Ich wollte kämpfen und ich wollte denjenigen, die mich nach Hause schicken, in die Augen sehen, wenn sie dies tun.“

Weit wies Gerster den Vorwurf von Korruption bei der Vergabe von Beratungsverträgen von sich. Auch Unternehmensberater Roland Berger bezeichnete dies Vorwürfe in der Sendung als „unmöglich“. Er könne die Aufregung in der Öffentlichkeit „überhaupt nicht verstehen“, um Sachlichkeit gehe es dabei jedenfalls nicht.

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) nahm Gerster indes von seiner Kritik aus. Dieser habe ihn unterstützt und nicht bereits hinter seinem Rücken nach einem Nachfolger telefoniert.

In der Tat aber bekam das Vorstandsmitglied des Bundesagentur, Heinrich Alt, einen Anruf. Für Alt kam der Anruf offenbar überraschend. Er hatte am frühen Samstagabend im Fernsehen gehört, dass Wolfgang Clement am Sonntag gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Frank Weise in Bonn vor die Presse treten würde, um zu erklären, wie es nach dem Rauswurf von Florian Gerster in der Nürnberg Bundesagentur für Arbeit (BA) weiter gehen sollte. Doch der Anrufer bestand darauf, dass auch Heinrich Alt in Bonn mit auf dem Podium sitzen müsste.

Natürlich war Alt die Aufgabe zugedacht, den Stand der Arbeit in dem von ihm zu verantwortenden Feld der Arbeitsvermittlung und Fortbildung darzustellen, aber das war nur die halbe Wahrheit. Wolfgang Clement hatte, unmittelbar nach seiner Landung auf dem Flughafen Düsseldorf, wo er aus der Schweiz vom Weltwirtschaftsforum am frühen Samstagabend mit einer Linienmaschine angekommen war, so positiv über Alts Vorstandskollegen Frank Weise gesprochen, dass nicht wenige diese Worte schon wieder als Vorentscheidung des Ministers für die Nachfolge zu interpretieren suchten.

Dass er nach seiner Rückkehr aus Davos die Nürnberger Entscheidung würde kommentieren müssen, war Clement schon vor seinem Abflug in die Schweiz klar. Mit Florian Gerster hatte er diesen Schritt im übrigen vorher abgesprochen, denn auch in Berlin hatte spätestens seit Wochenmitte niemand mehr damit gerechnet, dass der Verwaltungsrat den Chef der Nürnberger Agentur weiter stützen würde. Auch in Berlin hatte sich herumgesprochen, wie gestört das Vertrauensverhältnis zwischen Gerster und weiten Teilen des Aufsichtsgremiums war.

Clement versagte sich im übrigen jede öffentliche Spekulation über die Gründe, die zum Bruch zwischen Gerster und seinem Aufsichtsgremium geführt haben. „Fehler habe ich auch schon gemacht“, lautete seine lapidare Stellungnahme am Wochenende. Bei allen öffentlich Auftritten achtet der Minister darauf, die neue Macht der Nürnberger Gremien zu respektieren. „Der Verwaltungsrat muss jetzt in den kommenden vier Wochen einen Vorschlag machen“, rief Clement stereotyp aus und auch intern hat er deutlich gemacht, dass er die politikferne Konstruktion gerade jetzt für richtig hält.

Als ihm Meldungen gezeigt werden, dass CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer ihn heftig kritisiert und argwöhnt, er könne einen Parteisoldaten für Nürnberg empfehlen, schüttelt er nur Kopf. „Das ist grober Unfug, wir brauchen einen erfahrenen Manager“, schießt es aus dem Wirtschaftsminister heraus. In diesem Punkt ist er sich im übrigen einig mit Bundeskanzler Gerhard Schröder. In Davos hatte er gleich Gelegenheit, den einen oder anderen Wirtschaftskapitän ins Gebet zu nehmen und sie zu ermuntern, sich an der Suche zu beteiligen. Da war es ein netter Zufall, dass auch Peter Hartz mit ihm in Davos weilte.

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