Wirtschaft : Ohne die Inder läuft nichts

Tewe Pannier

Joseph Chackola ist Inder. Heute feiert Joseph seinen 40. Geburtstag. Er nimmt Glückwünsche der Kollegen und Geschäftspartner entgegen. Dabei fallen drei Dinge auf: erstens das Hemd der deutschen Fußball-Nationalelf, das er trägt. Zweitens der Teller mit der Weißwurst in seiner rechten Hand und drittens die Flasche Weißbier in der linken. „Unsere Familie war eine der wohlhabendsten in der Gegend“, erzählt Joseph. „Wir hatten Kaffeeplantagen. Mein älterer Bruder hatte eine Idee, die fanden wir alle toll: Lass uns ein Luxushotel bauen für Touristen aus aller Welt!“ Die Bank ließ sich begeistern und nahm die Plantagen als Sicherheit für die Kredite.

Die Touristen aber kamen nicht, und wenig später waren die Plantagen weg und die Chackolas nicht mehr wohlhabend. „Da bin ich nach Arabien gegangen, um mein Glück zu versuchen“, sagt Joseph. Er ist nicht allein. In Dubai zum Beispiel wohnen mehr Inder als Araber. Kuwait City, Doha, Manama, Riad – keine dieser Städte würde ohne Inder funktionieren. Sie fahren Taxen und Laster, schuften auf Baustellen und Öl-Plattformen, betreiben Shopping-Center und Fabriken, managen Marketing-Abteilungen oder die Buchhaltung. Joseph arbeitet seit zwei Jahren bei einer Werbeagentur in Dubai, die Deutschen gehört. Inzwischen ist er der Geschäftsführer, und seine deutschen Mitarbeiter haben ihm zum Geburtstag Leidenschaft für Deutschland verordnet. Mit Trikot, Weißwurst und Bier.

Der Autor (45) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

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