Wirtschaft : Ohne die Milchbauern kann Emzett nicht fusionieren

ALFONS FRESE

BERLIN .Die Emzett-Gruppe bleibt in der Deckung: "Verschiedene Möglichkeiten der Zusammenarbeit werden geprüft", beschreibt Firmensprecherin Elfi Amend die gegenwärtigen Gespräche mit dem niederländischen Molkereikonzern Campina.Auf der Suche nach einer "strategischen Allianz" verhandle das Berliner Unternehmen allerdings "ausschließlich mit Campina".Von einer Übernahme durch die Holländer zum 1.Juli könne indes keine Rede sein.Ausgeschlossen ist das aber offenbar nicht.Vor vier Monaten bereits mußte Amend Fusions- oder Übernahmegerüchte dementieren, das Ziel einer "Allianz" sei vielmehr der gemeinsame Vertrieb einzelner Marken.Eberhard Hetzner, Hauptgeschäftsführer des deutschen Milchindustrie-Verbands, kann sich durchaus auch andere Motive vorstellen.Die Campina Melkunie aus dem niederländischen Zaltbommel sei auf dem heimischen Markt an Wachstumsgrenzen gestoßen und "ist deshalb gezwungen, sich neue Rohstoffquellen zu erschließen".Eben in Deutschland, wo die Holländer bereits Südmilch ("Landliebe")und die Milchwerke Köln/Wuppertal ("Tuffi") übernommen haben.

Hetzner zufolge dreht sich inzwischen das Fusionskarussell auch in der deutschen Milchindustrie.So sei im vergangenen Jahr die Zahl der Unternehmen um 13 Prozent auf 165 gesunken.Als Gründe für Zusammenschlüsse nennt der Milchverbands-Chef die Großunternehmen im Einzelhandel, die auf die milchverarbeitenden Betriebe einen starken Preisdruck ausüben.Ferner gehe der Trend hin zu größeren Produktionseinheiten und zu gemeinsamen Vertriebsformen.Bei Emzett/Campina sieht Hetzner zwar weitgehend identische Produkte.Eine Allianz ermögliche aber einen "enormen Know-how-Austausch" und mehr Marktmacht etwa bei der Beschaffung von Verpackungsmaterial.Daß die Erzeuger - also die Milchbauern - bei einem fusionierten Unternehmen weniger Geld für die Milch bekommen, glaubt Hetzner nicht.Jedenfalls zahle Campina nach der Südmilch-Übernahme Preise, "mit denen die Bauern zufrieden sind".

Im übrigen ließe sich ein "neues" Unternehmen kaum gegen die Interessen der Milchbauern bilden, denn die jetzige Emzett-Gruppe ist zu 53 Prozent in der Hand der Berliner Milch-Einfuhrgesellschaft BMG, ein Zusammenschluß von Landwirten.Weitere 32 Prozent hält Südzucker, die übrigen 15 Prozent liegen laut Emzett-Sprecherin Amend in der Hand von Privatleuten.Die Emzett, die von rund 1100 Landwirten vor allem aus den neuen Ländern mit rund 900 Mill.Kilogramm Milch im Jahr beliefert wird, ist nach der Wende stark expandiert: 1989 verarbeitete die Gesellschaft fast ausschließlich für Berlin-West 150 Mill.Kilogramm Milch und setzte damit gut 400 Mill.DM um.Inzwischen liegt der Umsatz bei 1,6 Mrd.DM, an vier Standorten sind knapp 1100 Personen beschäftigt.Aus dem brandenburgischen Elsterwerda (300 Mitarbeiter) kommen Joghurt und Dessert, aus Prenzlau (250 Mitarbeiter) Quark, aus Neukölln (400 Beschäftigte) Frischmilch und alkoholfreie Getränke und schließlich aus dem niedersächsischen Seesen die H-Milch.



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