Wirtschaft : Ohne die TV-Riesen läuft nichts

HEIKE JAHBERG

Es klingt ein bißchen nach Dallas, was sich derzeit hinter den Kulissen des Privatfernsehens abspielt.Da wollen zwei Medienriesen - Bertelsmann und Kirch - gemeinsame Sache machen und den neuen Markt für das digitale Fernsehen unter sich aufteilen.Die EU-Kommission sagt "nein", nun versuchen die beiden ihr Glück mit einer abgespeckten Version beim Bundeskartellamt.Doch so recht scheint man nicht an den Erfolg zu glauben: Beide flirten schon mit weiteren Partnern.Bertelsmann-Chef Wössner hat nun die WAZ-Gruppe ins Spiel gebracht, Kirch liebäugelt mit Murdoch.Doch das ist nicht alles: Nebenbei versucht der Filmehändler auch noch, seine Beteiligung an SAT 1 zu einer Mehrheit auszubauen.

Am liebsten blieben Bertelsmann und Kirch wohl unter sich.Kein Wunder, daß das Kartellamt da nicht mitspielt.Kommt alles so, wie es die Großen im TV-Business wollen, wären die Claims bald abgesteckt.Kirch hätte das Sagen bei SAT 1, Bertelsmann über die CLT-Ufa bei RTL."Premiere" wollen die beiden künftig in gemeinsamer Regie führen und damit den neuen Wachstumsmarkt Digital-TV schon von vornherein unter ihre Fittiche bringen.Neueinsteiger dürften es später schwer haben.Die Ablehnung einer intensivierten "Premiere"-Allianz von Bertelsmann und Kirch seitens der Kartellwächter ist daher mehr als wahrscheinlich.

Doch: Kleine Anbieter werden den Aufbau des digitalen Fernsehens nicht stemmen können.Die Ballung von Marktmacht - in welcher Konstellation auch immer - ist eine logische Konsequenz der neuen Technik.Denn die flächendeckende Einführung kostet Milliarden.Die Infrastruktur entsteht nicht von heute auf morgen und erst recht nicht für ein Taschengeld.Aber: Von der neuen Technik abkoppeln kann und darf sich ein High-Tech-Land wie Deutschland nicht.Auch wenn es dem Kartellamt nicht schmeckt: Bertelsmann und Kirch wird man die Tür nicht vor der Nase zuschlagen können.

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