Wirtschaft : "Ohne Euro würde der Dollar zwei Mark kosten"

Haben die Kritiker Recht[der Euro ist],die sagen[der Euro ist]

Thomas Mayer ist Chef-Volkswirt der Investmentbank Goldmann Sachs in Frankfurt (Main). Mit Thomas Mayer sprach Antje Sirleschtov.

Haben die Kritiker Recht, die sagen, der Euro ist und bleibt eine schwache Währung?

Nein. Man muss sich fragen, wie sich die D-Mark jetzt zum Dollar verhalten würde, gäbe es den Euro nicht. Ganz sicher müsste man zwei D-Mark pro Dollar zahlen, wahrscheinlich noch mehr. Die Probleme Deutschlands würden dann nicht durch andere Europäer aufgefangen, sondern voll auf den Kurs durchschlagen.

Belastet Deutschland denn Europa?

Der Anteil des deutschen Bruttoinlandsproduktes in Euroland beträgt zwar nur ein Drittel. Doch die deutsche Entwicklung wird von den Investoren viel stärker gewichtet.

Dann müsste sich der Euro erholen. Die Experten erwarten ein Wachstumsjahr.

Die Märkte vertrauen den Wachstumsaussichten in den USA eher als einer positiven Konjunkturprognose in Europa. Die aktuelle Euroschwäche ist nicht neu. Im vergangenen Jahr zeigte er sich tendenziell schwach. Dahinter stehen sowohl die langfristig starke Wachstumsdynamik der Amerikaner als auch die bislang schwache Dynamik in Euroland.

Warum registrieren die Märkte den positiven Konjunkturtrend in Europa nicht?

Investoren sind sehr vorsichtig. Der Euro leidet unter den Zweifeln an der grundlegenden Reformfähigkeit vor allem der Deutschen.

Sind Steuerreform und das Bündnis für Arbeit keine Reformansätze?

Das sind sie schon. Dennoch geht Deutschland einen Schritt vorwärts und dann einen halben Schritt zurück. Die Steuerreformpläne sind positiv aufgenommen worden. Aber die Bündnisgespräche haben nicht davon überzeugen können, dass sich die reformfeindliche Haltung der Gewerkschaften ändert. Die Lohnforderung der IG-Metall von 5,5 Prozent zeigt, dass die Deutschen noch immer sehr unflexible Arbeitsmärkte haben. Das lässt Investoren das Handtuch werfen.

Verharrt der Euro auf dem niedrigen Niveau?

Ich sehe den Euro in einem Jahr bei 1,22 Dollar. Zum einen wird die Wachstumsdynamik der USA in diesem Jahr nachlassen. Und auch die Reformanstrengungen in Euroland - insbesondere in Deutschland - werden Früchte tragen.

Und wenn Sie sich irren?

Kurzfristig scheint ein schwacher Euro gut zu sein, denn die Exportindustrie zieht daraus Vorteile. Mittelfristig behindert das aber den Strukturwandel hin zur Dienstleistungsgesellschaft. Wenn wir versuchen, mit unserer Industriestruktur im Dienstleistungszeitalter zu überleben, wird der Lebensstandard abdriften. Dann nähern wir uns Länden wie Südkorea.

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