Wirtschaft : "Ohne Gebühr kein Großflughafen"

Seit Ende März sind die Verträge unter Dach und Fach.Durch die Übernahme der Berlin Brandenburg Flughafen Holding GmbH (BBF) und den Zuschlag zum Bau und Betrieb des neuen Großflughafens rücken jetzt die privaten Investoren unter Federführung des Essener Baukonzerns Hochtief in die Veranwortung.Wie geht es weiter? Martina Ohm fragte den Geschäftsführer der Hochtief AirPort GmbH, Reinhard Kalenda.

TAGESSPIEGEL: Herr Kalenda, ist das Hochtief-Konsortium jetzt schon für die Berliner Flughäfen verantwortlich?

KALENDA: Noch nicht.Zuerst müssen noch einige Dinge, die aufschiebende Wirkung haben, erledigt werden.Dazu gehören das Kartellverfahren und die Beschwerde des unterlegenen Konsortiums IVG.Außerdem müssen Altgesellschafter und Erwerber jeweils ihre Gremienvorbehalte beseitigen.Das heißt, auf der Seite der Altgesellschafter müssen die Parlamente noch zustimmen und auf der Seite der Erwerber die Aufsichtsräte.

TAGESSPIEGEL: Wird sich das unterlegene Konsortium mit seinem Hinweis auf die angeblich technischen Unzulänglichkeiten Ihrer Planungsarbeiten durchsetzen?

KALENDA: Nein.Um es klar zu sagen, die technischen Klärungen, die notwendig waren, sind frühzeitig erfolgt.Daß in diesen Tagen gleichwohl gezielt versucht wird, daraus Kapital zu schlagen, sollte man überhaupt nicht kommentieren.

TAGESSPIEGEL: Auf dem neuen Flughafen wird es keine Engpässe im Vorfeld geben und die Anbindung von Schiene und Straße optimal sein?

KALENDA: Davon kann jeder ausgehen.

TAGESSPIEGEL: Sie haben den Streit um die Flughafengebühr nicht erwähnt.Stört Sie der auch nicht?

KALENDA: Es gibt keinen Streit, sondern Einzelinteressen, beispielsweise der Fluglinien.Flughafengebühren sind aber außerhalb Deutschlands alles andere als ungewöhnlich.Der Bundesverkehrsminister hat nun ein entsprechendes Gesetzesvorhaben angekündigt.

TAGESSPIEGEL: Das kann dauern.Die Nutzungsgebühr aber soll bereits im Herbst von jedem Passagier auf den Berliner Flughäfen erhoben werden, oder?

KALENDA: Richtig.Das wird auch klappen.Das Gesetz dürfte rechtzeitig verabschiedet werden.

TAGESSPIEGEL: Das heißt aber noch nicht, daß die Fluggesellschaften nicht doch dagegen klagen wollen.

KALENDA: Das muß nicht so kommen.Unabhängig davon sollte sich jeder die Alternative vor Augen führen: Wenn wir nicht durch die Nutzungsgebühr bestimmte Maßnahmen vorfinanzieren könnten, müßten uns andere den verlorenen Zuschuß bereitstellen.Die öffentliche Hand ist dazu nicht in der Lage.Mit anderen Worten: ohne Flughafengebühr, keinen Großflughafen.

TAGESSPIEGEL: Wann wird das Planfeststellungsverfahren eröffnet?

KALENDA: Rechtzeitig, noch in diesem Jahr.Nur so können wir vom Verkehrswegebeschleunigungsgesetz profitieren.Und es wird voraussichtlich zwei Jahre in Anspruch nehmen

TAGESSPIEGEL: Dann wird der Flughafen Tempelhof geschlossen?

KALENDA: So steht es im Konsensbeschluß.Daran werden wir nicht rütteln.

TAGESSPIEGEL: Wird Hochtief Personal entlassen oder auswechseln?

KALENDA: Es liegt in der Natur der Sache, daß im Einzelfall bestimmte Positionen mit Mitarbeitern aus den eigenen Reihen besetzt werden.Die heutigen Mitarbeiter müssen aber nicht um ihren Arbeitsplatz bangen.

TAGESSPIEGEL: Tegel muß jetzt zügig ausgebaut werden.Die Lufthansa hat angeboten, bestimmte Maßnahmen vorzufinanzieren.Was halten Sie davon?

KALENDA: Das ist eine konstruktive Geste, die wir gerne prüfen.In erster Linie aber haben wir einen Businessplan, der das Nötige vorsieht.

TAGESSPIEGEL: Sie brauchen also keine finanzielle Hilfestellung.Gilt das auch für Schönefeld?

KALENDA: Wir werden im nächsten Jahr die Bauten für den geplanten Fun + Fly-Terminal angehen.Wir wollen, daß sich der Urlaubsverkehr auf Schönefeld konzentriert und so Tegel etwas Luft verschafft.

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