Wirtschaft : Ohne Kopfschmerz

Aus Trauben kann man Wein machen – oder Saft. Der ist in Maßen gesund und meistens auch lecker

Yasmin El-Sharif

Kann man Traubensaft mit Medizin gleichsetzen? So scheint es fast, wenn man die lange Liste der Saftinhaltsstoffe aufzählt. Wertvolle Mineralstoffe, Spurenelemente und bioaktive Substanzen sind in dem Getränk. Außerdem soll es gegen Allergien und Entzündungen wirken und Thrombosen vorbeugen. Hinzu kommt, dass es den meisten gut schmeckt. Immerhin ist Traubensaft nach Apfel-, Orange- und Multivitamin- der viertliebste Saft der Deutschen.

Die Stiftung Warentest hat 20 Traubensäfte getestet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Mehr als jeden zweiten Saft können die Tester empfehlen. An die Spitze der Tabelle schaffte es der rote Traubensaft von Eckes. Er bekam für seine sensorische Fehlerfreiheit sogar ein „sehr gut“: Traumnote 1,0. Als besonders fruchtig und ausgewogen beschreiben ihn die Experten.

Bei den weißen Traubensäften schaffte es Vitagarten mit der Gesamtnote 1,8 nach ganz vorn. Bei ihm schmecke man deutlich die Traube, sagen die Tester. Allerdings erhält man ihn nur in Apotheken und dort für einen saftigen Preis. 3,20 Euro kostet ein Liter. Auch der rote Eckes gehört mit 2,65 Euro pro Liter zu den teureren Säften. Günstiger und auch „gut“ ist der rote Traubensaft von Kaiser’s Tengelmann. Er liegt in der Bewertung nur knapp hinter dem roten Eckes-Saft, ist mit 1,10 Euro aber deutlich günstiger.

Rote Traubensäfte werden von den Deutschen mehr gekauft, daher hat die Stiftung auch 15 von dieser Sorte getestet und nur fünf von den weißen. Aber egal welche Farbe: Die gut bewerteten Säfte im Test riechen fruchtig und nach Traube. Sie schmecken zum Teil sehr süß, aber auch sauer. Im Unterschied zu den roten Traubensäften sind die Aromen der weißen flacher. Das heißt, dass sie weniger intensiv riechen und schmecken. Das könnte ein Grund sein, warum sensorische Fehler bei ihnen stärker wahrgenommen werden: Während alle roten Säfte in diesem Prüfpunkt in Ordnung waren, fielen zwei von fünf weißen Traubensäften negativ auf.

„Aber in beiden Gruppen gab es jeweils ein Schlusslicht“, sagt Birgit Rehlender von der Stiftung Warentest. Bei den weißen Säften war es die Marke Burkhardt: Dumpf, muffig und unsauber lautet das scharfe Urteil der Experten. Das Getränk schmeckt weder fruchtig noch nach Traube und außerdem sauer, sagen die Tester. Damit entspricht es nicht der Fruchsaftverordnung und fällt durch: „mangelhaft“.

Auch für den roten Saft Belsina vom Discounter Plus gab es eine 5,0. Er enthielt nicht nur fruchteigenes, sondern auch Fremdwasser. Das hat aber in einem Direktsaft nichts zu suchen. Und um Direktsäfte handelt es sich schließlich laut Deklaration bei allen getesteten Produkten.

Der Weg von der Rebe in die Verpackung ist bei Direktsäften im Vergleich zu Konzentratsäften kürzer – eben direkt. Meist werden die Trauben in der Entrappungsmaschine von den Stielen getrennt, dann gemahlen und die so entstandene Maische wird gepresst. Danach wird sie eine Zeit ruhen gelassen. Damit der Traubensaft nicht zu gären beginnt und zu Wein wird, pasteurisiert man ihn. Dabei wird er nur kurzzeitig erhitzt, um seine wertvollen Inhaltsstoffe zu erhalten. Sowohl die roten als auch die weißen Säfte enthalten etliche Mineralstoffe und Spurenelemente. Vor allem aber sind sie reich an gesundheitsfördernden bioaktiven Substanzen.

Aber Traubensaft ist auch kein Wundermittel. Er enthält einen hohen fruchteigenen Zuckergehalt, etwa 160 Gramm pro Liter. Das können bis zu 760 Kilokalorien sein und damit in etwa so viel wie zwei Stücke Sachertorte. Als Durstlöscher ist Traubensaft pur daher eher ungeeignet. Eine Schorle, zur einen Hälfte Saft, zur anderen Mineralwasser, empfiehlt sich mehr.

Eine gute Nachricht zum Schluss: Die Stiftung Warentest untersucht die Produkte auch immer auf Schadstoffe. Hier fanden die Tester jedoch – wenn überhaupt – nur welche in unbedenklichen Mengen.

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