Wirtschaft : Ohne Maradona und Verón

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Von Martín E. Hiller

Erst wollte er und durfte nicht, jetzt darf er und wird wohl nicht kommen: Diego Maradona hat bei der japanischen Botschaft in Kuba noch kein Visum beantragt, um doch noch rechtzeitig zum letzten Gruppenspiel seiner Argentinier in Miyagi einzutreffen. Der Mannschaft wäre die Anwesenheit des Fußballgenies jedenfalls sehr wichtig. „Diego auf der Tribüne, das würde uns sehr helfen“, sagte Torjäger Gabriel Batistuta, und auch Ariel Ortega ist voller Verehrung für seinen Vorgänger im Trikot mit der Nummer Zehn. „Als wir 1994 einmal das Zimmer teilten, betrachtete ich ihn, wie er schlief und dachte nur, mein Gott, ich bin in einem Raum mit Diego“, sagte der Spielmacher der Selección. Argentinien kann heute jedwede Hilfe gebrauchen und muss gegen Schweden gewinnen, um sicher im Achtelfinale zu sein.

Um das erste Vorrunden-Aus für die Südamerikaner seit 1962 zu verhindern wird Trainer Marcelo Bielsa mehre Umstellungen in der Manschaft vornehmen. Da Kapitän Roberto Ayala noch immer verletzt ist, wird José Chamot für Diego Placente auflaufen, der Englands Michael Owen bei der Niederlage am vergangenen Freitag nie in den Griff bekommen hatte. Matias Almeyda ersetzt Diego Simeone, und Pablo Aimar, ja Pablo Aimar wird anstelle von Juan Sebastian Verón spielen. Der charismatische Glatzkopf hatte gegen England einen ganz schwarzen Tag erwischt. Die meisten seiner Pässe landeten beim Gegner oder im Seitenaus, woraufhin Bielsa in der Halbzeit den Mann auswechselte, den er vor der WM noch als einen der besten Fußballer der Erde bezeichnet hatte. Wenn Verón sich jetzt auf der Bank wiederfindet, stellt das gleichsam die Fortsetzung einer für ihn reichlich unglücklich verlaufenen Saison dar: Genau in dem Jahr, da der in Argentinien nur la bruja, die Hexe, genannte Mittelfeldspieler zum englischen Serienmeister Manchester United wechselte, ging bei dem Nobelklub die siegreiche Ära zu Ende, und Verón holte keinen einzigen Titel.

Teilt man allerdings Bielsas Ansicht, dürfte Verón noch mehr Gelegenheit haben, Argentinien zu Siegen zu führen. „Ich verschwende nicht einen Gedanken an eine Niederlage. Ich bin davon überzeugt, dass wir weiterkommen“, sagte der 47-Jährige. Dabei wird ihm möglicherweise die Taktik seines Amtskollegen Lars Lagerbäck entgegenkommen. Der Schwede hält es für „unmöglich, auf Unentschieden zu spielen“, will vielmehr das Spiel annehmen, um zu eigenen Torchancen zu kommen. Dieses Spiel könnte der Selección besser liegen als die extreme Defensive, mit der die Engländer sie zur Verzweiflung gebracht hatten. Argentinien wird diesmal mit drei Spitzen antreten. Ortega auf der rechten und Claudio López auf der linken Seite sollen Mittelstürmer Batistuta zu Tormöglichkeiten verhelfen. So könnte dann Maradona recht behalten, der den Spielern in der argentinischen Sportzeitung Olé versichert hatte: „Ich bin bei Euch. Ich weiss, Ihr werdet unsere Fahne hochhalten, so wie ich es immer getan habe“.

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