Wirtschaft : „Ohne Regisseur geht es nicht“

Harry Rowohlt über Schauspieler, die nicht lesen können

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HARRY ROWOHLT

ist Übersetzer, Autor, Darsteller in der Lindenstraße und beliebter Vorleser. Seine Lesungen bezeichnete er einmal als „Schausaufen mit Betonung“. Foto: Imago

Herr Rowohlt, sind Menschen, die Hörbücher hören, einfach zu faul zum Lesen?

Nö, aber man muss ja manchmal bügeln oder Auto fahren. Es ist doch besser, im Stau etwas Vernünftiges zu hören, als sich dumpf einem Dudelsender auszuliefern und aus dem Fenster zu glotzen.

Welche Bücher hören Sie sich an?

Ich habe keine Zeit für Hörbücher. Das dauert mir zu lang.

Finden Sie keine andere Gelegenheit, Hörbücher zu hören?

Hörbücher kranken daran, dass sie meist von Schauspielern gelesen werden. Wenn Schauspieler lesen könnten, wären sie nicht Schauspieler geworden. Ohne Regisseur stehen die sowieso auf dem Schlauch.

Sie brauchen keinen Regisseur?

Nein. Ich habe die sechs CDs für „Pu der Bär“ allein mit einer Tontechnikerin aufgenommen. Wir haben uns Zeit gelassen, es hat zwei Tage gedauert.

Aber einen Verlag brauchen Sie. Was zahlen die denn fürs Vorlesen?

Das ist Verhandlungssache. Als ich für Hörbuch Hamburg „Die schweinischsten Stellen aus dem Alten Testament“ gelesen habe, hatte ich die Wahl: entweder eine Pauschale oder die sportliche Variante, nämlich eine Umsatzbeteiligung. Schon nach zwei Wochen war klar, dass es besser gewesen wäre, zum ersten Mal in meinem Leben sportlich zu sein. Für mich sind die Hörbücher ein willkommenes Zubrot. Manche verkaufen sich wie Briefmarken bei der Post.

Wem haben Sie zuerst vorgelesen?

Meinem Vater. Verleger lesen ja keine Bücher. Aber er war wegen einer Kriegsverletzung fast blind. Mein Vater war quasi der einzige Verleger, der ein Attest hatte.

Seit wann lesen Sie vor großem Publikum?

Der Verleger Haffmans hat seinen Autoren mal einen Fragebogen geschickt und gefragt, wer bereit wäre, auf Lesereise zu gehen. Ich habe „ja“ angekreuzt. Jetzt lese ich seit 16 Jahren. Da ist es ganz natürlich, dass ich nebenbei eine Reihe von CDs vollgequatscht habe.

Das Gespräch führte Corinna Visser.

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