Wirtschaft : Ohne Shops läuft an den Tankstellen nichts

MINDEN/HAMBURG . Der Ausleseprozeß im Tankstellengeschäft wird sich in diesem Jahr nicht in dem befürchteten Tempo beschleunigen. Das sagte der Bundesverband Tankstellen und Gewerbliche Autowäsche Deutschland (BTG) mit Sitz in Minden voraus. Nach neuen Berechnungen werde es bis zum Jahr 2000 etwa 500 bis 600 Tankstellen weniger geben, sagte die Geschäftsführerin Sigrid Pook am Donnerstag. Zum Jahresbeginn hatten Experten mit der Schließung von 1500 Tankstellen gerechnet. Derzeit gibt es bundesweit rund 16 600 Stationen.

Bedroht sind nach Angaben Pooks vor allem kleine Spritstationen, die keine Möglichkeit haben, die wachstumsstarken Geschäftsfelder Shop- und Waschgeschäft auszubauen. Umweltauflagen verteuerten das Zapfgeschäft enorm. Vor allem konzernunabhängigen und kapitalschwachen Kleinbetrieben drohe das wirtschaftliche Aus. Immer weniger Tankstellen mit einem immer größeren Angebot - das ist nach Einschätzung des Verbandes offenbar der aktuelle Trend in der Branche. Jede Tankstelle in Deutschland müsse sich angesichts dieser Entwicklung ein zweites Standbein schaffen oder einen Standortausbau in Erwägung ziehen. Allein vom Benzinverkauf könne niemand überleben. Das Shop-Geschäft mit einem Anteil von knapp 45 Prozent am Gesamtumsatz bekomme mit Blick auf die geringen Provisionen im Tankgeschäft eine immer größere Bedeutung. Jeweils ein Viertel seiner Einkünfte erzielt der Pächter laut BTG aus dem Kraftstoffgeschäft und aus dem Service.

Nach einer Studie des Ölkonzerns BP-Amoco zur Welternergie (BP Amoco Statistical Review of World Energy 1999) ist der weltweite Energieverbrauch 1998 erstmals seit 16 Jahren gesunken. Nach jahrelangem Wachstum um 1,1 bis zwei Prozent pro Jahr ging er im vergangenen Jahr um 0,1 Prozent zurück. Zugleich fiel der Rohölpreis auf seinen tiefsten Stand seit der Ölkrise 1973. Dies geht aus der BP-Amoco Studie zur Weltenergie hervor, die am Mittwoch abend in Hamburg vorgelegt wurde. 1998 war für die globalen Energiemärkte ein "Jahr des signifikanten Wandels". Der Weltenergieverbrauch stagnierte, die Ölmärkte erlebten eine Periode der Unruhe und die weltweiten Kohlendioxid-Emissionen gingen zurück, erläuterte Ian McCafferty von BP. Für die Ölmärkte werde 1998 als "Krisenjahr" in die Geschichte eingehen. Der durchschnittliche Preis für Brent-Öl aus der Nordsee lag 1998 bei nur 13,11 (1997: 19,30) US-Dollar je Barrel und damit ein Drittel niedriger als im Vorjahr. Den Rückgang im Energieverbrauch führt die BP-Studie unter anderem auf das geringe Wirtschaftswachstum in den USA und Europa, die Asienkrise und auch auf China zurück.

0 Kommentare

Neuester Kommentar