Wirtschaft : Olivetti-Erfolg bringt Bewegung in die Telekommunikation

DÜSSELDORF (uso/HB).Sektkorken hörten die wartenden Reporter vor dem Mailänder Mediobanca-Gebäude am Freitag abend knallen, als Olivetti-Chef Roberto Colaninno im Haus seiner engsten Berater die frohe Nachricht von der geglückten Übernahme der Telecom Italia entgegennahm.Vom Düsseldorfer Rheinufer, wo die Mannesmann-Zentrale sitzt, sind solche Geräusche nicht überliefert - die Mannesmänner feiern ihren Triumph in aller Stille.Dabei markiert der erfolgreiche Ausgang des größten feindlichen Übernahmeangebots in der europäischen Firmengeschichte einen Wendepunkt in der europäischen Telekommunikationslandschaft - zugunsten von Mannesmann.Mit Olivetti bei Telecom Italia und Mannesmann bei den italienischen Mobilfunk- und Festnetzgesellschaften Omnitel und Infostrada etablieren sich private Unternehmen nicht nur im Mobilfunk-, sondern auch im Festnetzbereich unter den europaweit führenden Anbietern.Und Mannesmann hat dabei in wichtigen Märkten einen Fuß in der Tür: In Italien und Österreich mit Mehrheitsbeteiligungen, in Frankreich mit einem 15 Prozent-Anteil an der zweitgrößten Telefongesellschaft Cegetel.

Stück für Stück setzt der ehemalige Röhrenkonzern seinen selbstgesetzten Anspruch um, einer der führenden Telekommunikationswettbewerber in Europa zu werden.Damit rückt er seinem Erzkonkurrenten, der Deutschen Telekom, immer dichter aufs Fell.Dort stehen die Manager des Bonner Riesen nach dem Pfingstwochenende erst einmal vor dem Scherbenhaufen ihrer Internationalisierungsstrategie.Innerhalb weniger Wochen haben sich die Standbeine der Deutschen Telekom in den beiden wichtigen europäischen Märkten Italien und Frankreich aufgelöst, und die Zukunft des internationalen Joint-ventures Global One, das sie zusammen mit France Télécom und der amerikanischen Sprint betreibt, ist weiter unklar.Nicht nur, daß die Fusion mit Telecom Italia in weite Ferne gerückt ist - selbst wenn Telekom-Chef Ron Sommer daran festhalten will, stehen die Chancen derzeit eher schlecht.Denn Olivetti-Chef Colaninno muß sich nun eilends daran machen, bei Telecom Italia die versprochene Umstrukturierung in Gang zu setzen.Durch die Übernahme hat das Unternehmen nun hohe Schulden, die es nur zurückzahlen kann, wenn es Kosten senkt, um unter Wettbewerbsbedingungen satte Erträge einzustreichen.Eine Fusion mit den Deutschen würde diesen Prozeß unnötig belasten.Schlechte Karten hat Ron Sommer auch bei seinen Partnern im ursprünglichen Italien-Engagement, der drittgrößten italienische Festnetz-Gesellschaft Wind: France Télécom und der italienische Energiekonzern Enel, die 75 Prozent der Anteile halten, klagen derzeit vor Gerichten auf den Ausstieg des Noch-Partners Deutsche Telekom aus dem Unternehmen.An Interessenten für einen Einstieg dürfte es nicht mangeln.Überhaupt die France Télécom: Bisher einer der Ecksteine in Sommers internationalem Gebäude, sind die Franzosen durch das italienische Abenteuer unversehens zu Gegnern in zwei Gerichtsverfahren geworden.Seit deren Vorstandsvorsitzender Michel Bon vergangene Woche vor ein Schiedsgericht zog, um die Deutsche Telekom auf Vertragsbruch zu verklagen, ist klar: Die Empörung bei France Télécom ist echt.Falls Sommer dieses Zerwürfnis kitten will, muß er das jedenfalls wesentlich diplomatischer anstellen als in den letzten Wochen.Fraglich ist, ob er das überhaupt will.

Strategische Allianzen wie die mit dem französischen Staatskonzern seien zu träge.Ob er selbst schneller ist, muß Sommer jetzt zeigen.Aktionäre und Analysten warten auf eine Erklärung, wie die künftige Strategie aussehen soll und wofür das Kapital dient, das die Telekom im Juni über eine Kapitalerhöhung einnehmen will.Der Erfolg dieses zweiten Börsengangs könnte entscheidend werden für das Überleben von Ron Sommer an der Telekom-Spitze.

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