Wirtschaft : Olivetti lehnt jede Allianz mit der Deutschen Telekom ab

KÖLN (AFP).Die Kritik klang verhalten, der Applaus über die Wertsteigerung der T-Aktie beim Vorstandsbericht war dagegen um so lauter: Bei der Hauptversammlung der Deutschen Telekom am Donnerstag in Köln blieb die große Abrechnung mit dem Management wegen der gescheiterten Telecom-Italia-Fusion und der zerbrochenen Allianz mit France Télécom aus.Rund 5000 Aktionäre waren gekommen, um von Telekom-Chef Ron Sommer zu hören, wohin ihr Unternehmen nach den jüngsten Patzern steuern will.

Sommer nutzte die Gelegenheit, um in gewohnt selbstbewußter Manier ein Bild von der Telekom als aufstrebendem "Global Player" zu zeichnen.Die Italien-Pläne hätten zwar einen Rückschlag erlitten, er sei aber keineswegs am Ende seines Lateins."Italien ist nicht dumm gelaufen", griff er einen Aktionärsvorwurf auf und fügte schmunzelnd hinzu: "Es führen bekanntlich viele Wege nach Rom."

Der neue Telecom-Italia-Eigner Olivetti erteilte einer Fusion oder Allianz mit der Deutschen Telekom jedoch eine klare Absage.Olivetti-Chef Roberto Colannino, der aus dem Übernahmekampf um Telecom Italia als Sieger hervorgegangen war, nannte derartige Überlegungen "völlig uninteressant".Colannino sagte am Rande der Jahresversammlung des Arbeitgeberverbandes in Rom, der von den Deutschen anstrebte Zusammenschluß mit Telecom Italia werde "auf gar keinen Fall" zustandekommen.Auch eine Allianz sei nicht denkbar.

Handfeste Kritik kam bei der Hauptversammlung der Deutschen Telekom eigentlich nur von den quasi amtlichen Bedenkenträgern, den Aktionärsvereinigungen.So bemängelte die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz das "fehlende Fingerspitzengefühl", das die Telekom-Führung beim Einfädeln des schließlich fehlgeschlagenen Telecom-Italia-Deals bewiesen habe.Der Schaden sei "beachtlich", stellte Verbandsfunktionär Jörg Pluta fest.Der wichtigste Allianzpartner, France Télécom, sei mit der Annäherung an Telecom Italia "düpiert" worden, das gemeinsame Italien-Engagement beider Konzerne, die zusamen mit dem italienischen Stromversorger Enel vor kurzem den Privatanbieter Wind gestartet hatten, stecke in der Sackgasse.Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre gab dem Telekom-Vorstand für seinen "italienischen Aktionismus" die "rote Karte".

Mehrere Anteilseigner hielten der Konzernführung Unprofessionalität vor."Die Karre sitzt richtig im Dreck", monierte ein Aktionär.Die Telekom müsse jetzt die Scherben einsammeln und sich rasch neu ausrichten.Anneliese Hieke von der Schutzvereinigung der Kleinaktionäre warf dem Telekom-Management vor, "zu viel versprochen und zu wenig gehalten" zu haben.Das Gros der Anteilseigner blieb dagegen brav.Die Redebeiträge kreisten mehr um nicht funktionierende ISDN-Anschlüsse daheim, um unverständliche Gebrauchsanweisungen für Telefonanlagen und irreführende Bankberatung beim T-Aktien-Kauf als um Industriepolitik.

Ron Sommer dankte es mit einem zufriedenen Gesicht.Er nutzte die hypermoderne Kölnarena auch als Bühne für eine weit ausholende Rede über die künftige Ausrichtung des Konzerns und seine eigenen Visionen.Die "Investitionspipeline" der Telekom sei "prall gefüllt", ließ er die Anteilseigner wissen, die Partnersuche in allen Wachstumsregionen der Welt laufe auf Hochtouren."Wir werden den Ausbau unserer Weltmarktstellung mit jeder sich bietenden, sinnvollen Möglichkeit vorantreiben", kündigte er an.Sommer warb um Verständnis, daß er auf die drängenste Frage der Aktionäre, wofür denn die gut 20 Mill.DM, die der neue Börsengang im Juni einbringen soll, einsetzen will, noch keine Antwort geben könne.Hauptziel sei ein klarer Wertzuwachs: "Wir wollen aus eins plus eins fünf machen."

Die Anteilseigner bedachten ihn dafür mit freundlichem Applaus; viele schienen mit den Gedanken schon beim Buffet zu sein, das auf Hauptversammlungen bekanntlich eine kaum geringere Rolle spielt als der Rechenschaftsbericht des Vorstandes.Die Telekom hatte vorgesorgt: Am Buffet warteten zweieinhalb Kilometer Würstchen, 86 Quadratmeter Kuchen, 22 000 Brötchen, 11 000 Frikadellen und 240 Kilo Salat auf den Ansturm der Massen.

Die T-Aktie reagierte am Donnerstag mit Kurssprüngen nach oben und unten und pendelte bis zum Nachmittag bei 35,10 Euro knapp unterhalb des Vortagesschlusses ein.

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