Ondango : Facebook als globales Kaufhaus

In dem sozialen Netzwerk einkaufen: Ein Berliner Start-Up macht es möglich. Die Kunden von Ondango sollen bald aus der ganzen Welt kommen.

Jana Gioia Baurmann
Kauf mit einem Klick. Über Ondango können Nutzer shoppen, ohne die Facebook-Seite zu verlassen.
Kauf mit einem Klick. Über Ondango können Nutzer shoppen, ohne die Facebook-Seite zu verlassen.Foto: picture alliance / dpa

Es muss vor vier Jahren gewesen sein, als der Student José Matías del Pino seinen künftigen Geschäftspartner traf, den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Es war auf einem Gründer-Treffen in München, wo der Chilene Matías del Pino seit kurzem studierte. Er war 26 Jahre alt und machte seinen MBA an der Technischen Universität, Zuckerberg war damals 23. Die beiden sprachen über Facebook, Zuckerbergs soziales Netzwerk, das zu der Zeit zwar bekannt, aber noch lange nicht so groß wie heute war. Das Treffen sei entspannt gewesen, sagt Matías del Pino, Zuckerberg ein netter Kerl. Hätten sie sich damals nicht verstanden, wäre vielleicht alles anders gekommen. Dann hätte Matías del Pino vielleicht nie Ondango entwickelt, sein Shop-System für Facebook.

Etwa 850 Millionen Menschen nutzen derzeit Facebook, Ende des Jahres werden es wohl eine Milliarde sein. Viele Unternehmen, ob große oder kleine, haben Facebook bereits als Kommunikations- und Marketingkanal entdeckt. Mit Ondango wird Facebook nun auch zum Marktplatz, auf dem Händler Kunden finden und ihre Waren verkaufen können.

José Matías del Pino sagt: „Das Thema Facebook-Commerce ist gerade sehr heiß und wir sind die Anbieter, die es am besten verstanden haben.“ Seit Oktober 2011 ist Ondango mit Sitz in Berlin online, es ist das zweite Startup, das er zusammen mit seinem Partner Claudio Bredfeldt entwickelt hat. Matías del Pino sieht aus wie der Vorzeige-Gründer: Gepflegtes Auftreten, Seitenscheitel, Studium an einer privaten Universität in Chile, MBA in Deutschland, ein Trainingsprogramm zur Unternehmensgründung am Founder Institute, ein Stipendium der Beuth-Hochschule für Technik in Berlin. Ondango laufe gut, sagt er. „Alle unsere wichtigen Kennzahlen verdoppeln sich jedes Quartal und wir erwarten, dass der Trend auch in diesem Jahr anhält.“ Genaue Zahlen verrät er nicht.

Es gibt technische Kennzahlen, wie die Klickrate und die Verweildauer auf einer Webseite, mit denen Außenstehende nichts anfangen können. Es gibt aber auch eine Kennzahl, die jeder versteht, sie wird in Euro angegeben. 29 Euro geben Kunden im Durchschnitt in Ondango-Shops aus. Noch ist Deutschland der größte Markt. Weniger als die Hälfte aller Kunden, 45 Prozent, kommen aus dem Ausland. Brasilien, Mexiko, Türkei und Ägypten – das sind die Länder, in denen Ondango weiter wachsen möchte.

Doch wie sicher ist das Einkaufen über Ondango? „Facebook hat keinen Zugriff auf unsere Daten“, sagt Matías del Pino. „Und wir auch nicht auf deren Daten.“ Das funktioniert, da das Ondango Shop-System über einen so genannten Inline-Frame läuft, also eine Internetseite, die innerhalb von Facebook erscheint und auch so aussieht, aber auf einem unabhängigen Ondango-Server liegt. Kunden müssen also keine Applikation installieren oder Nutzerdaten freigeben, können aber den Kauf abschließen, ohne die Facebook-Seite zu verlassen. Das ist wichtig für die Konversionsrate – diesen Begriff verwendet Matías del Pino häufig. Sie beschreibt das Verhältnis von Käufern zur Anzahl der Besucher einer Internetseite. Im Online-Geschäft ist sie der Schlüssel zum Erfolg. Ondango habe eine sehr gute Konversionsrate, sagt Matías del Pino.

Vor allem kleinere Musiklabels, DJs und Musiker nutzen Facebook als Hauptvertriebskanal. Meist läuft die gesamte Kommunikation mit den Fans über das soziale Netzwerk – mit Ondango können sie nun auch ihre Merchandising-Produkte dort verkaufen. So wie die Berliner DJs Aka Aka, die mehr als 150 000 Fans und einen Ondango-Shop auf ihrer Facebook-Seite haben.

Der Shop bietet drei Preismodelle an, das günstigste liegt bei 9,90 Euro im Monat, pro verkauftem Artikel erhält Ondango fünf Prozent Provision. Es ist eine Selbstbedienungsplattform, Unternehmen können Beschreibung, Bilder und Preise selbst online stellen. Um einen Shop mit zehn Produkten einzurichten, braucht man etwa eine Stunde.

Im Januar ist Matías del Pino nach Cannes geflogen, zur Musikmesse Midem. In einem internationalen Wettbewerb war Ondango als Startup nominiert worden und durfte sich auf der Messe präsentieren. Lutz Villalba-Adorno lief auch durch die Messehallen, ein Typ mit Dreadlocks und Lippen-Piercing. Er hat Navegas gegründet, einen kostenlosen Player fürs Internet, mit dem man Musik aus unterschiedlichen Quellen vereinen und abspielen kann. Früher hingen Plattenspieler, Kassettenrekorder und Radio am Verstärker – heute sind es Dienste wie Soundcloud, Youtube und andere Online-Quellen. Auf Navegas kann der Nutzer nach Liedern suchen und die Titel aus den verschiedenen Portalen als Link direkt in einer persönlichen Playlist speichern. Navegas ist Spanisch und heißt: Du surfst. Er wolle eine „Erlebniswelt für Musik schaffen“, sagt er. Ein Facebook für Musik.

Villalba-Adorno hat Medienmanagement in Köln studiert, dann ging er nach Australien, um Englisch zu lernen. Wenn er jetzt spricht, mischen sich Englisch und Deutsch ganz automatisch. Villalba-Adorno ist einer, den mal als cool bezeichnen könnte, er ist kein Startup-Streber. Seinen Schreibtisch in einer Co-Working-Area hat er nur wegen der Adresse angemietet. Zum Arbeiten setzt er sich lieber mit dem Laptop ins Café.

Auf der Messe in Cannes gehörte Villalba-Adorno wie Matías del Pino zu den Nominierten. Doch anders als der, lebt er zurzeit noch vom „Love Geld“, so nennt er die finanzielle Unterstützung durch Familie und Freunde. In Zukunft will er Geld über Werbung auf seiner Navegas-Seite verdienen und über einen angebundenen Shop.

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