Wirtschaft : Onkel Sams Kinder können nicht lesen

Aus dem Wall Street Journal[übersetzt],ge

In Philadelphia erreichen 176 von 264 Schulen die verlangten Standards nicht. Jedes zweite Kind verlässt die High School ohne Abschluss. Mark Schweiker, der republikanische Gouverneur von Pennsylvania, versuchte deshalb, einige von Philadelphias Schulen unter ein privates Management zu stellen. Man sollte annehmen, dass man seine Bemühungen honorieren würde. Dies tat man aber nicht.

Gemeinsam mit der Lehrergewerkschaft errangen die Demokraten in der Stadt unlängst einen großen Sieg. Denn Schweiker gab ihrem Druck nach und stimmte einer Fristverlängerung für die Übernahme von Schulen durch Private zu. Sein Entgegenkommen war für die Gegner zunächst jedoch lediglich Anlass, eine Straßenkreuzung während der Hauptverkehrszeit zu blockieren. Nun gut. Trotzdem ist es keine Übertreibung, dass die Unfähigkeit von Lehrern in den US-amerikanischen Städten, auch nur eine minimale Bildung zu vermitteln, katastrophale Ausmaße angenommen hat.

Eine Studie ergab, dass etwa ein Drittel aller amerikanischen Viertklässler nicht lesen kann. Das gibt zu denken. Denn ein Kind, das bis dahin nicht lesen und schreiben kann, wird den Rückstand wahrscheinlich nie wieder aufholen. Betrachtet man die Studienergebnisse aufgeschlüsselt nach Hautfarbe, Einkommen und Wohnort erscheinen die Probleme noch gravierender: 63 Prozent der schwarzen Viertklässler können nicht lesen, 58 Prozent der Latinos und 60 Prozent der Kinder aus armen Familien.

Die Menschen in den Vororten belügen sich selbst, wenn sie annehmen, ein Schulsystem, das Kinder von Schwarzen und Latinos bereits im Alter von neun Jahren zu einem Leben am Rande der Informationsgesellschaft verurteilt, fordere keinen hohen Preis. Deshalb sollte der Widerstand der Anti-Reform-Bewegung in Philadelphia weniger als Zeichen der Stärke, sondern eher als Zeichen der Verzweiflung gewertet werden. In einer Stadt mit 1,5 Millionen Einwohnern, 215 000 Schülern und 13 000 Lehrern, stellen da 600 oder 700 Demonstranten eine massive öffentliche Revolte dar? Auch wenn die Republikaner wahrscheinlich ihre Taktik ändern müssen, die Reform der Schulen ist zu wichtig, als sie aufzugeben. Mit der Lehrergewerkschaft verbandelte politische Kräfte sollten wirklich nicht den Ausverkauf armer Kinder betreiben.

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