Wirtschaft : Online-Banken versuchen ihr Comeback

Comdirect, Cortal Consors und DAB lösen sich vom reinen Aktienhandel – und bieten jetzt Vermögensberatung und Girokonten

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Frankfurt (Main) (chp/HB). Die OnlineBroker (siehe Lexikon) versuchen ihr Comeback. Zuerst hat es die Börse gemerkt. Die Kurse von Comdirect und DAB Bank haben sich 2003 mehr als verdoppelt. Damit zählen sie zu den erfolgreichsten Aktien überhaupt.

Die Börse honoriert die Erfolge der Radikalsanierung des Duos – und hofft zugleich darauf, dass die Branche mit ihrer neuen Strategie nicht wieder daneben liegt, die da lautet: weg vom reinen Brokerage. Alle drei großen Online-Banken propagieren derzeit den Aufbau neuer Geschäftsfelder. Cortal Consors, wie die frühere Consors nach der Übernahme durch den Online-Arm der französischen Großbank BNP Paribas heißt, will sich künftig als „Anlagebank“ positionieren und dazu vom Frühjahr an mit eigenen Beratern an den Start gehen. Bis Ende des Jahres sollen in Deutschland 30 bis 40 Berater für die Gruppe tätig werden.

Noch einen Schritt weiter gehen Comdirect und DAB. Sie wollen sich zu Vollbanken mausern, die neben Brokerage und Vermögensberatung auch traditionelle Bankprodukte wie das Girokonto im Programm haben. Mit ihren noch zaghaften Expansionsversuchen verfolgen die Überlebenden der Brokerkrise der letzten Jahre einen Neuanfang. Das Bild der Branche hat sich nach dem Aktiencrash der vergangenen Jahre drastisch verändert. Für eine Reihe von Firmen kamen das Aus oder die Übernahme durch finanzkräftige Gruppen. Die Dresdner-Bank-Tochter Advance Bank wurde kürzlich aufgelöst und in die Muttergesellschaft integriert, Consors ging an BNP Paribas und Entrium an die ING-Tochter Allgemeine Deutsche Direktbank (Diba). Quer durch die Branche zog sich ein massiver Stellenabbau, Comdirect und DAB mussten außerdem große Teile ihres Auslandsgeschäfts verkaufen. Nun aber haben zumindest die „großen drei“ den Turnaround geschafft. Am weitesten ist Comdirect mit einem Nettogewinn von 19,3 Millionen Euro in den ersten neun Monaten 2003, zum ersten Mal soll sogar eine Dividende gezahlt werden. Die DAB hängt zwar ein Stück hinterher, doch auch sie fuhr bis September einen Gewinn von 4,5 Millionen Euro ein. Für 2004 strebt die HVB-Tochter eine Eigenkapitalrendite von zehn Prozent an. Consors erwartet einen Vorsteuergewinn für 2003 von 16 Millionen Euro. Das sagte der Chef dieser Online-Bank, Olivier Le Grand, der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Neben den Sparmaßnahmen profitiert die Branche auch vom Aufwärtstrend an den Börsen. Die Kurserholung am deutschen Aktienmarkt nach den Tiefstständen vom März hat sich sofort in einem Anstieg der Transaktionszahlen niedergeschlagen. Doch nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre will kein Broker mehr ausschließlich vom Aktienmarkt abhängig sein. Um die Abhängigkeit vom Auf und Ab der Börse zu verringern, sollen Bankgeschäft und Vermögensberatung für stabile Erträge sorgen. In München wurde die erste Geschäftsstelle für die Finanzberatung eröffnet. Bis 2006 soll ein Netz von 20 bis 30 Büros in Deutschland mit 180 Beratern aufgezogen werden. Im Bankgeschäft will Comdirect mit gezielten Zinsaktionen um neue Kunden und Einlagen werben.

Damit lehnt sich Comdirect an das Vorbild Diba an, der mit 3,7 Millionen Kunden größten Direktbank Deutschlands. Allein im letzten Jahr gewann die Diba mit ihrem „Extra-Konto“ rund eine Million Kunden. Allerdings will Comdirect bei weitem nicht so aggressiv vorangehen wie die ING -Tochter. Statt dauerhaft hoher Zinsen à la Diba denkt das Management eher an begrenzte Angebote, um den Mittelzufluss steuern zu können. Schließlich zahlt die Bank bei Hochzinsangeboten leicht drauf, wenn die Kunden keine weiteren Produkte erwerben.

Die DAB setzt ebenfalls auf Vermögensberatung. Allerdings versucht sich die HVB-Tochter nicht im Alleingang, sondern kooperiert mit der Beratungsfirma Plansecur. Im Bankgeschäft soll es bald ein Girokonto mit EC-Karte geben.

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