Wirtschaft : Online-Banking: Gebühren sparen bei Kontoführung am PC

Daniel D. Eckert

Michael Groß blickt missmutig auf seinen Kontoauszug. Schon wieder hat ihm seine Bank Kontoführungsgebühren abgezogen. Nicht zum ersten Mal kommt dem Ingenieur der Gedanke, seiner Bank endlich den Laufpass zu geben und zu einem preiswerteren Institut zu wechseln. Am liebsten würde er gar nichts zahlen - nichts für die Kontoführung und nichts für die einzelnen Buchungsposten. Doch welche Kreditinstitute bieten ein Girokonto zum Nulltarif? Und auf welche lieb gewonnenen Dienste muss er dann verzichten? Grafik: Kostenlose Online-Konten im Vergleich Meist sind es reine Online-Banken wie First-e, die den Kunden mit null Mark Kontoführung locken, also Banken ohne eigene Zweigstellen. Bankgeschäfte erledigt man hier gewöhnlich über den Computer oder übers Telefon. Aber auch bei manchen Filialbanken wie etwa der Postbank oder der SEB gibt es eine kostenlose Kontoführung. Bei ihnen ist sie aber an Bedingungen wie regelmäßigen Geldeingang oder ein Mindestguthaben geknüpft. Dafür bieten sie in ihren Geschäftsstellen aber auch Beratung: vom Kleinkredit über die private Altersvorsorge bis hin zur Baufinanzierung. Voraussetzung für ein kostenloses Konto ist aber auch hier die Kontoführung am PC. Das heißt, die Online-Kunden müssen sämtliche Transaktionen wie Überweisungen oder die Einrichtung von Daueraufträgen am Computer vornehmen. Das hat aber eher Vor- als Nachteile. Das lästige Ausfüllen von Formularen und der Gang zum Briefkasten entfallen.

Im Normalfall keine Beratung

Das Problem mit den reinen Internet-Banken ist, dass man sich als Normalkunde nicht beraten lassen kann. "Für beratungsintensive Bankgeschäfte wie eine Baufinanzierung eignen sie sich daher überhaupt nicht", sagt Manfred Westphal, Finanzexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Das sollten besonders Kunden berücksichtigen, die zum ersten mal Aktien oder andere Wertpapiere kaufen. Bei ihnen ist der Beratungsbedarf besonders hoch. Oft beschränkt sich die Funktion der Online-Konten auf den reinen Zahlungsverkehr, also Überweisungen, Daueraufträge, Scheckeinreichungen und Lastschriften.

Die Comdirect-Bank berechnet für ihr Broker-Konto fünf Mark im Monat. Allerdings bekommt der Kunde pro Überweisung oder Lastschrift eine Mark gutgeschrieben. Mit fünf Transaktionen hat man den Preis für das Konto also wieder auf Null reduziert. Die Kreditkarte kostet bei der Comdirect-Bank nichts. Dafür muss der Kunde seine Bankgeschäfte per PC oder Telefon erledigen. Mal schnell zur Bank um die Ecke springen fällt aus. Außerdem kann man keine Kontoauszugsdrucker nutzen, nicht einmal die der Commerzbank, deren Tochter die Comdirect ist. Der Kunde bekommt die Auszüge zugeschickt, an Porto fallen so monatlich 1,10 Mark an. Oder er nutzt den gebührenfreien elektronischen Postweg. Mit der Comdirekt-EC-Karte kann man sich an den rund 7600 Geldautomaten der Cash-Group mit Barem versorgen. Die Cash-Group ist der Zahlungsverbund deutscher Großbanken. Dazu gehören die Commerzbank, die Deutsche, die Dresdner, die Hypo-Vereinsbank und seit neuestem die Postbank. Das Broker-Konto der Comdirect-Bank ist in erster Linie als Ergänzung zu einem Wertpapier-Depot gedacht. Da man dafür mindestens 23,20 Euro im Jahr berappen muss, eignet sich die Comdirect-Bank vor allem für Leute, die auch Wertpapiergeschäfte tätigen.

Eine andere günstige Lösung bietet die Advance-Bank mit ihrem Konto Advance Zins-Giro. Kontoführung und Buchungen sind gebührenfrei. Hier kostet zwar die Kreditkarte ab dem zweiten Jahr fast 50 Mark. Dafür fallen für die Kontoauszüge keine Extrakosten an. Die werden einem nach jedem Monat mit Kontobewegungen gebührenfrei zugeschickt. Ebenso wie für den Kunden der Comdirect empfiehlt sich für den Kunden der Advance-Bank das Internet-Banking. Transaktionen per Telefon werden bei den Direktbanken in aller Regel zusätzlich in Rechnung gestellt, bei der Advance-Bank zum Beispiel mit jeweils 1,50 Euro. Dadurch kann man sich den Preisvorteil des Online-Kontos zunichte machen.

Wer sich für das Konto-Kompakt Online der Berliner Volksbank entscheidet, erhält für 40 Mark im Jahr gleich zwei Kreditkarten - eine Eurocard und eine Visa-Card. Wenn man sich seine Kontoauszüge monatlich zuschicken lässt, schlagen sie mit 13,20 Mark jährlich zu Buche. Der Kunde kann aber auch die gebührenfreie Variante wählen und sie an den Kontoauszugsdruckern ziehen. Der Vorteil des Konto-Kompakt Online: Alle über den normalen Zahlungsverkehr hinaus gehenden Bankgeschäfte kann man in den rund 100 Geschäftsstellen der Berliner Volksbank erledigen. Die Volks- und Raiffeisen-Banken verfügen bundesweit über 15 000 Zweigstellen, in denen man kostenlos Geld abheben kann. Im Konto-Kompakt Online kommen so die Vorteile einer Direktbank und die einer Filialbank zusammen.

Zu bedenken ist aber bei allen Angeboten: Sinnvoll nutzen kann ein Online-Konto nur, wer bereits über einen PC mit Internet-Anschluss verfügt. "Wenn man sich erst die ganze teure Hardware besorgen muss, rechnet sich das nicht", mahnt Verbraucherschützer Westphal.

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