Wirtschaft : Online-Broker Comdirect schreibt rote Zahlen

Der Online-Broker Comdirect Bank will auf das Filialnetz seines Mutterkonzerns Commerzbank zurückgreifen, um mehr Kunden zu erreichen. "Wir prüfen eine Zusammenarbeit mit der Commerzbank, um gegebenenfalls deren Filialen als zusätzlichen Vertriebskanal zu nutzen", sagte Vorstandssprecher Bernt Weber am Montag in Frankfurt.

Den Plan, ein eigenes Netz mobiler Berater aufzubauen, hat Europas größter Online-Broker damit aufgegeben. Die Kosten dafür seien zu hoch. Auch auf den Aufbau eigener "Shops" will die Internet-Bank aus Quickborn (bei Hamburg) aus Kostengründen verzichten. Wie eng sich die Zusammenarbeit mit der Konzernmutter gestalten könnte, ist noch unklar. "Ich kann mir aber vorstellen, dass eine Konto-Eröffnung in den Zweigstellen möglich sein wird", sagte er.

Beim Neukundengeschäft erwartet Weber 2002 nur ein moderates Wachstum. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Kunden um rund 70 000 auf 650 000. Das Kundenvermögen verringerte sich dagegen von 10,2 Milliarden auf neun Milliarden Euro.

Nach der Trennung von verlustbringenden Auslandstöchtern in Frankreich und Italien will Comdirect in diesem Jahr wieder die Gewinnschwelle erreichen. "Wir streben auf Konzernbasis den Breakeven zum Jahresende an", sagte Bankchef Weber. Allerdings gehe er nicht davon aus, dass eine deutliche Erholung vor dem Herbst eintritt.

2001 schloss der Konzern mit einem Jahresfehlbetrag von 160,7 Millionen Euro ab. Vor allem die Abschreibungen auf die Auslandstöchter kosteten 182 Millionen Euro. Außerdem brach der Provisionsüberschuss um mehr als die Hälfte auf 93 Millionen Euro ein. Grund: Wie die gesamte Branche bekam die Direktbank das gesunkene Interesse der Kunden an Aktiengeschäften zu spüren: Im vergangenen Jahr ging die Zahl der von Comdirect abgewickelten Orders von 15,3 auf 8,7 Millionen zurück.

Vor einem Jahr erwirtschaftete der Konzern gerade noch einen Überschuss von rund 2,7 Millionen Euro. Trotz der Börsenflaute schrieb Comdirect in Deutschland im operativen Geschäft einen Gewinn von zwölf Millionen Euro. Der Sparkurs des Konzerns soll beibehalten werden und der Verwaltungsaufwand konstant bleiben. Er lag 2001 mit etwa 224 Millionen Euro leicht über dem Vorjahreswert.

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