Wirtschaft : Online-Broker: Flaute bei den Börsenhändlern

Rita Neubauer

Bis vor wenigen Monaten boomte der Markt für Online-Broker, und Analysten prophezeiten enorme Zuwachsraten. Doch die Krise der New Economy beschert auch diesen Discount-Aktienbrokern heftige Probleme. 1999 und 2000 waren glänzende Jahre für Online-Broker in den USA. Die Hausse an der Börse bescherte Firmen wie Ameritrade und Etrade enorme Zuwächse. Nicht nur stieg die Zahl der Kunden, auch der Wert der Brokerage-Firmen wuchs in den Himmel. Das einzige Problem schien die stetig steigende Flut von Aktientransaktionen zu sein, die Firmen nur mittels Millionen-Dollar-Investitionen in neue Computertechnologie in den Griff bekamen. Selbst noch Ende 2000 ging eine Studie des Bankhauses Salomon Oppenheimer von 27-prozentigen Wachstumsraten bei der Anzahl der Konten in den USA aus. Für Europa war gar von 65 Prozent Zuwachs die Rede.

Das Debakel der New Economy hat diese Euphorie erst einmal gedämpft. Da die Kunden in den vergangenen Monaten, geschockt von der Börsenentwicklung, weit weniger Aktien an- oder verkauften, fielen auch die Umsätze für die Online-Aktienbroker. Beobachter gehen von einem fünf bis zehnprozentigen Umsatzrückgang im ersten Quartal dieses Jahres gegenüber dem letzten Quartal 2000 aus. Die Folgen sind weithin sichtbar. Etrade, nach Schwab der zweitgrösste Diskount-Broker in den USA, kündigte gerade eine 50-prozentige Reduzierung der Werbeausgaben an. Diese betrugen im letzten Jahr 487 Millionen Dollar und machten 34 Prozent der Einkünfte aus.

Zum Thema Online Spezial: New Economy Während Etrade trotz eines Umsatzrückgangs von 21 Prozent bislang auf Entlassungen verzichtete, strich Ameritrade seit Beginn dieses Jahres 400 Stellen. Auch drehte das Unternehmen an der Gebührenschraube, um die sinkenden Einnahmen auszugleichen. Selbst Schwab, der weltgrösste Online-Broker, blieb von der Konjunkturflaute nicht verschont. Das in San Francisco ansässige Unternehmen, das massgebend den Aktienhandel mit seinem Online-Angebot revolutionierte, zwang seine 26 000 Mitarbeiter zu unbezahltem Urlaub, setzte den Rotstift bei den Spesen an und sprach Entlassungen aus. Mit dem Ende des Goldrausches sausten auch die Aktienkurse der jungen Unternehmen in den Keller. Kostete eine Ameritrade-Aktie vor zwei Jahren über 60 Dollar, so bewegt sie sich nun um die fünf Dollar. Kein Wunder, dass Analysten einen Ausleseprozess unter den rund 140 Online-Brokern in den USA erwarten, sei es dass kleinere Firmen pleite machen oder von grösseren geschluckt werden.

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