Online-Händler plant Eigenmarken : Amazon will Kaffee, Tee und Babynahrung produzieren

Amazon will ein Sortiment eigener Lebensmittel- und Drogerieartikel auf den Markt bringen. Doch der Wandel vom Händler zum Produzenten birgt auch Risiken.

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Ein Sortiment an Eigenmarken will Amazon in den USA auf den Markt bringen. Dazu gehören sollen unter anderen Kaffee, Tee, Chips, Babynahrung und Waschmittel.
Ein Sortiment an Eigenmarken will Amazon in den USA auf den Markt bringen. Dazu gehören sollen unter anderen Kaffee, Tee, Chips,...Foto: imago/ZUMA Press

Die Namen klingen wie Figuren aus einem Kinderbuch: Mama Bear, Happy Belly, Wickedly Prime – doch was so harmlos wirkt, könnte den Handel mächtig unter Druck setzen. Denn hinter den Namen stecken Lebensmittel- und Drogerieartikel, die Amazon künftig als Eigenmarken anbieten will. Das Sortiment soll unter anderem Kaffee, Tee, Babynahrung, Snacks wie Nüsse und Chips oder Haushaltswaren wie Waschmittel umfassen, berichtete das „Wall Street Journal".

In der Strategie des weltgrößten Online-Händlers, der wegen seiner Arbeitsbedingungen und Preispolitik immer wieder kritisiert wird, wäre das nur ein nächster logischer Schritt. Durch Eigenmarken würde sich Amazon nämlich unabhängiger machen von anderen Marken und Lieferanten und könnte größere Gewinnmargen erzielen. Vor allem wird ein Ziel des US-Unternehmens, das 1994 als Online-Buchhändler gestartet ist, immer greifbarer: Kunden müssen die Amazon-Welt kaum noch verlassen, um sich mit Konsumgütern einzudecken.

In Berlin will Amazon bald frische Lebensmittel liefern

Erst Anfang des Jahres wurde bekannt, dass Amazon mehrere eigene Mode- und Accessoire-Labels gegründet hat, auch ein Kochboxen-Dienst ähnlich wie Hello Fresh und Marley Spoon will der Online-Händler in den USA starten. Dort bietet er in einigen Städten unter dem Namen „Amazon Fresh“ bereits die Lieferung von frischen Lebensmitteln wie Obst und Gemüse, Fisch und Fleisch, Milch und Joghurt an – ein Dienst, der offenbar im September auch in Berlin starten soll. Es wäre das erste derartige Angebot auf dem europäischen Festland, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ kürzlich. Auf dem Areal der Borsigwerke in Tegel werde in der Logistikhalle „Dock 100“ an dem Programm gearbeitet.

Für Supermarktketten wie Rewe und Kaiser’s Tengelmann, die bereits solche Bringdienste anbieten, könnte eine solche Konkurrenz Umsatzeinbußen bedeuten. Zumal das Geschäft mit der Lieferung frischer Lebensmittel ohnehin als schwierig gilt: Der Marktanteil im Online-Handel liegt laut der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) noch bei unter einem Prozent. Doch Experten wie Marc Lore, Chef des Amazon-Konkurrenten Jet, sehen großes Potenzial in diesem Mark. "Es wird für uns alle bald völlig normal sein, frische Lebensmittel online zu bestellen", sagte Lore bei der Digitalkonferenz DLD Anfang Mai in New York.

"Der Online-Handel ist auch aus Sicht der deutschen Lebensmittelhersteller ein zunehmend spannender Absatzkanal für Konsumgüter und wird den Wettbewerb im Einzelhandel intensivieren", bestätigt auch eine Sprecherin der BVE.

Eigenmarken liegen im Trend

Mit der Produktion von Eigenmarken setzt Amazon dazu auf einen "anhaltender Trend auf dem deutschen Lebensmittelmarkt", so die Sprecherin des BVE. Aktuell liege der Marktanteil bei rund 36 Prozent, laut Handelsverband Deutschlag lagen die Umsätze mit Eigenmarken im Lebensmittelhandel und in Drogeriemärkten 2014 bei 62 Milliarden Euro.

Ein Amazon-Sprecher wollte sich weder zu den Plänen für „Amazon Fresh“ in Berlin äußern, noch dazu, ob es die Eigenmarken künftig auch in Deutschland geben wird. Was für den Online-Händler in den USA funktioniert, wird jedoch oft in andere Länder ausgeweitet, seit vergangener Woche bietet Amazon beispielsweise in Berlin die Lieferung von bestimmten Waren innerhalb von zwei Stunden im Stadtgebiet an. Auch andere Versandunternehmen wie die Deutsche Post und Zalando wollen Waren künftig schneller zustellen.

Der Wandel vom Händler zum Produzenten birgt Risiken

Der Wandel vom Händler zum Produzenten ist für Amazon jedoch durchaus mit Risiken verbunden. Insbesondere im Nahrungsmittelbereich müssen strenge Richtlinien erfüllt werden, vor allem, wenn es um Baby- und Kleinkindnahrung geht. Würde es hier Probleme bei der Qualitätskontrolle geben, könnte sich das negativ auf Amazons Reputation auswirken, betont das "Wall Street Journal" (WSJ).

Es ist nicht das erste Mal, dass Amazon sein Glück mit Eigenmarken versucht. Während ein Sortiment von Kochzubehör und Werkzeugen wieder eingestellt wurde, läuft das Geschäft mit der hauseigenen Babywindelmarke laut "WSJ" gut mit einem Anteil von neun Prozent an den gesamten Windelverkäufen auf der Online-Plattform.

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