Online-Handel : Google will liefern

Der Internetkonzern plant den Einstieg in den Online-Handel. Damit würde er den bisher unangefochtenen Marktführer Amazon angreifen. Das wird selbst für den Internetgiganten Google eine harte Nuss.

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Kampf um das digitale Geschäft. In Konkurrenz zu Amazon und Apple eröffnete Google vor kurzem in Los Angeles seinen eigenen Musikdienst. Zur Eröffnung kam auch Rapper Busta Rhymes. Jetzt soll der Onlinehandel neue Chancen bieten.
Kampf um das digitale Geschäft. In Konkurrenz zu Amazon und Apple eröffnete Google vor kurzem in Los Angeles seinen eigenen...Foto: REUTERS

Berlin - Google startet einen neuen Angriff auf Amazon. Diesmal fordert der Suchmaschinenkonzern den weltgrößten Internethändler in seinem Kerngeschäft heraus. Google plane tiefer in den schnell wachsenden Online-Handel einzusteigen, berichtet das „Wall Street Journal“ aus informierten Kreisen. Dazu führe das Unternehmen Gespräche mit der US- Kaufhauskette Macy’s, dem Modehändler Gap und dem Büroartikelverkäufer Office-Max sowie Logistikfirmen über einen Lieferservice, der den Kunden online gekaufte Produkte gegen eine geringe Gebühr innerhalb eines Tages nach Hause bringen soll. Bei Google hieß es dazu knapp: „Zu Spekulationen nehmen wir keine Stellung.“

Google investiert bereits seit Monaten in die Verbesserung seiner Produktsuche im Netz. Ein Grund dafür: Amazon ist derzeit außerordentlich erfolgreich. Der Internethändler hat allein im dritten Quartal 10,9 Milliarden Dollar umgesetzt – 44 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Ein Baustein für den Erfolg ist „Amazon Prime“. Bei diesem Angebot erhalten Kunden in den USA für 79 Dollar im Jahr unter anderem eine schnelle Lieferung ihrer Produkte ohne Mindestbestellwert. Das Ergebnis: Kunden, die diesen Service gebucht haben, gehen immer erst zu Amazon, um nach ihren gewünschten Produkten zu suchen. Erst wenn es diese dort nicht gibt, gehen sie zu Google. Damit gehen Google viele Nutzer verloren. Mehr noch: Wegen der großen Zahl der Kunden wird Amazon auch als Plattform für Online-Werbung immer interessanter – das wiederum trifft das Kerngeschäft von Google.

„Die Produktsuche ist eines von Googles Wachstumsfeldern“, sagt Ralf Kaumanns, Geschäftsführer des Marktforschungsdienstes Strategyfacts.com. Das Problem dabei sei, dass Google Kunden nur an Händler vermitteln könne, während Amazon im Gegensatz dazu den gesamten Wertschöpfungsprozess kontrollieren könne – von der Suche über die pünktliche Lieferung bis zum Service. „Google wird auch in Zukunft kein Logistikdienstleister wie Amazon werden“, sagt Kaumanns. „Aber durch Partnerschaften mit Händlern und Lieferdiensten kann Google den gesamten Prozess besser steuern und so die Qualität und die Kundenbindung erhöhen.“ Google wird also auch in Zukunft keine Waren ausliefern, sondern lediglich die technische Abwicklung übernehmen.

Den Vorstoß von Google muss man im Zusammenhang mit der Gesamtstrategie sehen: Google verdient sein Geld mit Online-Werbung, aber mit der Suche allein zieht das Unternehmen nicht mehr genug Nutzer an. Daher hat Google zuletzt einen elektronischen Bezahldienst, ein soziales Netzwerk und ein Musikportal gestartet. „Im Moment kämpfen die großen Spieler wie Amazon, Apple und Google darum, wer in Zukunft den gigantischen Markt für digitale Güter dominiert“, sagt Kaumanns. Bücher, Filme, Musik – alle drei Anbieter haben ihre eigenen Angebote. Und wenn sich ein Kunde einmal für eine der Plattformen entschieden hat, geht er den anderen Anbietern mit hoher Wahrscheinlichkeit verloren.

„Amazon schwingt sich immer mehr zu einem zentralen Anbieter im digitalen Mediengeschäft auf“, sagt Kaumanns. So erhalte ein Kunde von „Amazon Prime“ in den USA neben der schnellen und kostenlosen Lieferung unter anderem auch freien Zugriff auf 13 000 TV-Shows und Filme und dürfe sich pro Monat ein elektronisches Buch „ausleihen“. „Der Kunde zahlt 79 Dollar im Jahr und bekommt dafür Leistungen für etwa 230 Dollar“, hat Kaumanns errechnet. (Das erklärt auch den Preisunterschied, denn in Deutschland kostet „Amazon Prime“ ohne den Zugriff auf Filme und Bücher 29 Euro.) „Das Angebot kostet Amazon viel Geld“, meint Kaumanns. „Aber es rechnet sich: Denn die Kunden, die das Angebot nutzen sind treu, kaufen viel bei Amazon ein und schauen dabei nicht so genau auf den Preis.“ Unter dem Strich erziele Amazon auf diese Weise einen höheren Umsatz und eine höhere Marge. Kaumanns ist überzeugt, dass Google viele interessierte Partner finden wird, schließlich setze Amazon mit seinen Erfolgen sowohl stationäre als auch andere Online- Händler massiv unter Druck.

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