Online-Lieferdienste : Essen gehen im Internet

Ob Pizza, Sushi oder ein Vier-Gänge-Menü – immer mehr Menschen bestellen Speisen im Netz.

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Nicht nur Pizza. Neben der Lieferung von Fast Food bricht sich eine weitere Geschäftsidee in Deutschland Bahn: Lebensmittel mit dem passenden Rezept frei Haus. Foto: picture alliance
Nicht nur Pizza. Neben der Lieferung von Fast Food bricht sich eine weitere Geschäftsidee in Deutschland Bahn: Lebensmittel mit...Foto: picture alliance / fStop

Berlin - Im Internet die abendliche Pizza bestellen oder die Zutaten für ein Vier- Gänge-Menü – für viele Deutsche gehört das schon zum Alltag. Zwar ist die Gruppe der Onlinegourmets noch relativ klein. Marktbeobachter glauben aber, dass sich in diesem Segment künftig noch viel Geld verdienen lässt. Zwischen einigen Anbietern hat der Kampf um Marktanteile schon begonnen.

Schlagzeilen machte jüngst der Onlinelieferdienst Delivery Hero. Das Berliner Start-up ist 18 Monate alt und hat jetzt die Onlinepizza-Norden-Gruppe für einen zweistelligen Millionenbetrag gekauft. Damit erschließt sich die Gruppe Zugang zu Märkten in Schweden, Finnland, Polen und Österreich und ist insgesamt in neun Ländern präsent.

2012 will Delivery Hero 250 Millionen Euro Umsatz mit Restaurants machen. „Wir wollen bis Ende des Jahres den deutschen Marktführer Pizza.de überholen. Und wir wollen Nummer eins in Europa werden“, sagt Delivery-Hero-Geschäftsführer Fabian Siegel. Einige Wochen zuvor hatte das Berliner Start-up Yourdelivery den polnischen Anbieter Pyszne.pl übernommen und sich damit Marktpräsenz in insgesamt fünf Ländern erschlossen.

Insbesondere jüngere Menschen bestellen ihr Essen immer häufiger online. Eine Nestlé-Studie („So isst Deutschland 2011“) bescheinigt dieser Kundschaft einen zunehmend unstrukturierten Alltag. Gegessen wird dann, wenn Zeit dafür ist. Computer sind in vielen Haushalten ohnehin ständig an, über sie werden dann auch viele alltägliche Dinge abgewickelt.

Dabei wird nicht nur fertiges Essen zur Lieferung nach Hause geordert. Eine weitere Geschäftsidee bricht sich in Deutschland gerade Bahn: Nutzer bekommen Lebensmittel mit dem passenden Rezept geliefert. Die Idee stammt aus Schweden und findet Nachahmer: Hello Fresh, Kochzauber, Schlemmertüte oder Kommt Essen. In Berlin liefert auch Kochhaus.de bis zur Haustür. Billig ist der Service nicht. Bei Kommt Essen etwa kosten die Zutaten für vier Mahlzeiten für vier Personen 63 Euro.

Nach einer A.-T.-Kearney-Studie über Lebensmittelbestellung im Netz gehört zu den Erfolgsfaktoren solcher Onlineangebote, dass die Kunden keine Zeit haben, um selbst einzukaufen, geschweige denn, sich Gedanken darüber zu machen, was es zu essen geben soll. Gleichzeitig legen die Deutschen der Studie zufolge mehr Wert auf gutes Essen und sind bereit, dafür auch mehr Geld auszugeben. Außerdem wollen die meisten Verbraucher, die Lebensmittel online bestellen, auch beliefert werden.

Zwar macht der Onlinelebensmittelhandel derzeit lediglich 0,2 Prozent des Lebensmittelumsatzes in Deutschland aus. Dieses Segment werde in den kommenden drei bis fünf Jahren aber in seiner Nische kräftig wachsen, so die A.-T-Kearney-Studie. Bis 2016 sagen die Experten einen Marktanteil von 1,5 Prozent voraus. Das entspricht immerhin einem Volumen von 1,5 Milliarden Euro.

Bei Yourdelivery und Delivery Hero werden Pizza, Sushi oder Frühlingsrollen via Internet bestellt. Die Kunden rufen dabei häufig nicht mehr an, sondern schicken ihre Bestellung direkt vom Rechner oder via Smartphone-App ab. Bei den Lieferanten gehen die Order meist als Fax ein – und das läuft häufig schief. „Restaurants, die Faxe benutzen, merken manchmal nicht, dass das Papier alle ist“, sagt Delivery-Hero-Chef Siegel. Delivery Hero will das Problem mit einem Thermodrucker lösen, der über das Mobilfunknetz Bestellungen erhält und diese als Bons ausdruckt. Die Nutzer erhalten dann eine Eingangsbestätigung per E-Mail oder SMS mit der voraussichtlichen Lieferzeit. Delivery Hero sieht Geschäftschancen darin und hat solche Thermodrucker, die die teilnehmenden Restaurants für 290 Euro kaufen müssen, im Angebot. „Wir glauben, dass wir den Anteil der Restaurants mit Faxgerät binnen eines halben Jahres auf unter 20 Prozent senken können“, sagt Siegel. Die Mehrzahl der deutschen Kunden bestellt ihre Pizza allerdings noch telefonisch.

Wie groß der Onlineanteil bei den Essensbestellungen ist, lässt sich für Deutschland nur schätzen, Zahlen gibt es nicht. Das Verbraucherpanel Crest des Marktforschers NPD Group Deutschland hat den Anteil der Onlinebestellungen bei Lieferdiensten für den britischen Markt erhoben, der laut Experten dem deutschen Nutzermarkt ähnlich ist. Die Zahlen des Nürnberger Instituts zeigen demnach eine deutliche Steigerung: 2008 bestellten elf Prozent der Nutzer ihr Essen im Internet, vergangenes Jahr waren es bereits 23,6 Prozent.

Mehr über Onlinelieferdienste in der aktuellen Ausgabe von Berlin Maximal

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