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Online-Versand : Amazon erhöht Mindestbestellwert für kostenfreie Lieferungen

Durch seine aggressive Preisgestaltung fordert Amazon den traditionellen Handel heraus. Jetzt ändert der Internethändler die Lieferbedingungen.

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Die Verpackungsebene des Amazon-Logistikzentrums in Leipzig. Das Unternehmen hebt den Mindestbestellwert für kostenfreie Lieferung an.
Die Verpackungsebene des Amazon-Logistikzentrums in Leipzig. Das Unternehmen hebt den Mindestbestellwert für kostenfreie Lieferung...Foto: dpa

Viele Einkäufe bei Amazon werden teurer. Der Internethändler teilte am Dienstag auf seiner Webseite mit, dass er den Mindestbestellwert für eine kostenfreie Lieferung anhebt: "Bitte beachten", schreibt das Unternehmen. "Amazon hat am 12. August 2014 die Schwelle für die versandkostenfreie Lieferung auf 29 Euro angepasst."

Der Versand von Büchern bleibt kostenfrei

Für alle vor diesem Datum aufgegebenen Bestellungen gelte noch die Versandkostenfreiheit ab 20 Euro, schreibt Amazon weiter. Weiterhin kostenfrei bleibe die Lieferung von Büchern. Auch an der Höhe der Versandkosten ändere sich nichts, ebenso bleibe Amazon Prime von der Änderung unberührt.

"Dies ist die erste Änderung unserer Versandkostenschwelle seit über zwölf Jahren", teilte Amazon auf Anfrage mit. "Während dieser Zeit haben wir unser Angebot an Produkten, die kostenfrei versendet werden, um Millionen von Artikeln in inzwischen über 25 Produktkategorien erweitert."

Lieferungen anderer Händler können kostenpflichtig sein

Wer weiterhin Versandkosten sparen will, kann ein Buch dazu bestellen, dann bleibt der Versand auch unterhalb von 29 Euro kostenfrei. Allerdings gilt all dies immer nur für die Fälle, in denen Amazon.de selbst der Verkäufer oder der Versender ist. Bei anderen Händlern, die lediglich den Marktplatz von Amazon nutzen, gelten die Lieferbedingungen des jeweiligen Händlers. Dann können auch Versandkosten für einzelne Artikel entstehen, wenn der gesamte Bestellwert oberhalb von 29 Euro (früher 20 Euro) liegt.

Verbraucherschützer raten, genau nachzurechnen

"Preiserhöhungen sind immer misslich, aber sie waren absehbar", sagte Bernd Ruschinzik von der Verbraucherzentrale Berlin. Generell zeichnet sich ab, dass die besonders kundenfreundlichen Regeln im deutschen Online-Versandhandel schrittweise reduziert werden. Seit 13. Juni gilt zum Beispiel ein neues Gesetz für Widerrufe und Rücksendungen. Danach haben die Händler das Recht, die Kosten des Rückversands auf die Kunden abzuwälzen.

Bislang galt, dass Waren im Wert von mehr als 40 Euro innerhalb der 14-tägigen Widerrufsfrist kostenlos zurückgesendet werden konnten - ohne Angabe von Gründen.

Zwar macht Amazon vom neuen Recht aus Kulanzgründen keinen Gebrauch - wie viele andere Online-Händler auch. "Aber es ist nicht nachvollziehbar, warum Amazon stattdessen die Versandkostenschwelle anhebt", sagte Verbraucherschützer Ruschinzik. Er empfahl, die Preise von Online-Händlern nun noch genauer zu vergleichen und zu prüfen, ob eine kleine Ersparnis beim Preis nicht durch höhere Versandkosten aufgefressen werde.

Der Preis für Prime Mitgliedschaft ist schon gestiegen

Zuletzt hatte Amazon bereits den Preis für die Prime Mitgliedschaft, mit der die Lieferung immer kostenlos ist, auf 49 Euro angehoben. "Seit dem 26. Februar haben Prime-Mitglieder den Service Prime Instant Video inklusive", argumentiert das Unternehmen. Das bedeute: unbegrenztes Streaming von Tausenden Filmen und Serienepisoden zusätzlich zum Zugang zu mehr als 500.000 Büchern in der Kindle-Leihbücherei.

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