Wirtschaft : Opec bringt Ölpreis ins Rutschen

Beschluß höherer Förderquoten setzt Preis unter Druck / Hausbesitzer profitieren aber nur minimal

LONDON (rtr).Die Staaten des Ölkartells Opec haben mit der Ankündigung höherer Förderquoten den Rohölpreis an den Weltmärkten ins Rutschen gebracht.In London verlor die marktführende Sorte Nordsee-Brent bis zum Mittag 65 Cent auf 18,29 Dollar je Barrel (159-Liter-Faß).Am Sonnabend hatte die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) beschlossen, ihre Tagesproduktion um zehn Prozent auf 27,5 Mill Barrel anzuheben."Das neue Produktionsziel liegt höher, als der Markt erwartet hat", sagte ein Londoner Rohstoffhändler.Der Kursrutsch sei noch nicht zu Ende, hieß es am Markt.Mit ihrer ersten Mengenanpassung seit vier Jahren folgte die Opec dem Vorschlag der weltweit führenden Exportnation Saudi-Arabien.Die neue Höchstmenge sollte die Exportbeschränkung der Opec glaubwürdiger machen und den seit Jahresbeginn sinkenden Ölpreis stabilisieren.Die Fördermenge soll für die erste Hälfte des kommenden Jahres gelten. Auf dem Ölpreis laste auch die Meldung aus Irak, daß Bagdad im Prinzip zur Fortsetzung des auslaufenden Programms "Erdöl für Lebensmittel" bereit sei, sagten Händler.Die Vereinbarung, die im Dezember 1996 erstmals in Kraft trat, erlaubt Irak, innerhalb von sechs Monaten Erdöl im Wert von zwei Mrd.Dollar zu verkaufen."Die Nachrichten aus Irak belasten den Markt" sagte ein Händler. Dennoch lohnt es für Hausbesitzer nach wie vor nicht, auf sinkende Heizölpreise zu spekulieren.Trotz des Preisrutsches am Montag rieten Experten angesichts des nahenden Winters, das Auffüllen des Tanks nicht noch länger hinauszuzögern.Das könnte sich nämlich als Milchmädchenrechnung erweisen: Sollte in den nächsten Monaten wie schon zum Jahreswechsel 1996/97 eine Kältewelle kommen, schnellen die Heizölpreise in aller Regel in die Höhe. "Spekulieren mit Heizöl lohnt sich nicht", sagte Günther Jäckel vom Gesamtverband des Deutschen Brennstoff- und Mineralölhandels.Er stellte folgende Modellrechnung auf: Bei dem in den vergangenen Monaten herrschenden Durchschnittspreis gab der Besitzer eines Einfamilienhauses für eine Tankfüllung rund 1500 DM aus.Wenn er das Glück gehabt hätte, in seiner Wohnregion einen Händler zu finden, der Heizöl pro Liter zehn Pfennig billiger verkauft, hätte er 300 DM sparen können.Doch solche extremen Preisunterschiede kommen den Angaben zufolge fast nie vor.In Berlin beispielsweise schwankte der Heizölpreis in den Frühlings- und Sommermonaten dieses Jahres zwischen 53 und 56 Pfennig - für den Verbraucher bedeutete dies bei klugem Timing seiner Bestellung von 3000 Litern für ein normales Einfamilienhaus eine maximale Ersparnis von 100 DM.

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