Wirtschaft : Opec: Das Öl-Kartell will mehr Öl fördern

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Das Öl-Kartell hat sich offenbar geeinigt: Auf ihrer Konferenz in Wien sind die Staaten der Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) übereingekommen, die Fördermenge für Erdöl ab Juli zu erhöhen. Das sagte der saudische Erdölminister Ali Naimi am Mittwoch. Um wie viel, wurde nicht bekannt. Offen ist auch noch, ob die Opec-Mitglieder ihre Ölfördermengen zukünftig ohne Absprache um 500 000 Barrel pro Tag erhöhen können, wenn die Ölpreise aus dem festgelegten Preiskorridor ausreissen - zur Zeit zwischen 22 und 28 Dollar pro Barrel (159 Liter). Eigentlich hatten sie dies bei ihrem letzten Treffen im März vereinbart, tatsächlich war aber nichts geschehen. Dabei liegt der Ölpreis in diesem Jahr auf dem höchsten Niveau seit über neun Jahren und pendelt zur Zeit um die 29 Dollar pro Barrel.

Das soll sich ändern, fordern die Industrieländer, allen voran die Vereinigten Staaten, die ein Abwürgen der Konjunktur befürchten. Doch Analysten sind wegen der "starken Stimmungsschwankungen" der Opec-Länder skeptisch, wie Adam Simienski, Öl-Experte der Deutsche Bank Research, sagt. Ein gewisser Druck lastet aber auf den Öl-Ländern. Sollten die Ölpreise die 30-Dollar-Marke deutlich überschreiten, dann liefen sie Gefahr, Marktanteile an andere Öl fördernde Länder abgeben zu müssen müssen. Das wollen besonders Saudi-Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate verhindern, jene Opec-Länder mit großen Fördermengen. Und diese Golf-Staaten stehen auch unter dem militärischen Schutz der USA. Andere Länder, wie Algerien, Libyen, Nigeria und der Iran gehören zu den so genannten "Preisfalken", die für höhere Preise plädieren. Von ihnen hatte schon der Iran kurz vor Beginn des Opec-Treffens eingelenkt. Irans Ölminister Bidschan Namadar Zangeneh sagte nach einem Gespräch mit seinem saudi-arabischen Kollegen, er wolle keine Zahlen nennen, "aber wir haben eine Übereinkunft".

Immer für Überraschungen gut ist nach Worten von Sieminski jedoch der Irak. Denn das Land könne über die Menge seiner ÖlExporte gar nicht entscheiden. Der Irak ist noch immer mit Sanktionen belegt und hat eine neue Vereinbarung mit der Uno über weitere Öl-Exporte noch gar nicht unterschrieben. Im Moment liegt der Marktanteil der Opec bei 40 Prozent. Selbst wenn die Opec-Staaten sich an ihre Vereinbarung halten sollten, ist aber nicht gewiss, wie sich andere Länder wie Mexiko, Venezuela oder Norwegen verhalten werden. "Norwegen hat bisher nichts getan außer zu reden", sagt Simienski. Jetzt droht dem Land außerdem ein Streik der Erdölarbeiter, die ihre Altersversorgung verbessern wollen. Der Streik würde die Ölförderung lahm legen. Hingegen steht Mexiko unter Produktionsdruck, wenn es den wichtigen Handelspartner USA nicht verärgern will. Immerhin dürfte auch Venezuela traditionsgemäß dafür plädieren, die Ölfördermengen zu erhöhen.

Ungeachtet dieser Unsicherheiten empfehlen Analysten Ölaktien zum Kauf. Die Deutsche Bank Research etwa rät zu Aktien von Eni, Total und Royal Dutch Shell. Auch wenn der Ölpreis auf 25 Dollar sinke, liege er noch immer unter dem von der Deutschen Bank als "normal" eingeschätzten Preisniveau von 18 Dollar pro Barrel. Die meisten Marktteilnehmer gingen davon aus, dass der Preis für Öl längerfristig wieder sinken werde. Zur Zeit schätzt der Ölkonzern Esso, dass die erschlossenen Ölvorkommen auf dieser Welt bei ungefähr 140 Milliarden Tonnen liegen. Das entspräche einem Vorrat für mindestens 40 Jahre. Nach Berechnungen von Esso sind es aber mindestens noch fünfmal so viele Jahre, wenn man die nicht erschlossenen Vorkommen berücksichtigt. "Ein Ende ist nicht absehbar", sagt ein EssoSprecher. Damit dürften auch die Öl-Länder noch viele Gelegenheiten haben, miteinander zu feilschen.

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