Wirtschaft : Opec-Konkurrenten drücken die Ölpreise

BP-Energiereport: Russland und andere Länder weiten Produktion stark aus / Erneuerbare Energien spielen untergeordnete Rolle

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Berlin (hop). Die hohen Ölpreise der vergangenen Jahre haben die Verbraucher weltweit zwar viel Geld gekostet, sie haben aber auch einen positiven Nebeneffekt gehabt. Eine ganze Reihe von Staaten haben ihre Investitionen in die Entdeckung und Ausbeutung von Ölfeldern verstärkt. Das dürfte in den kommenden Jahren die Preise für den Rohstoff wieder drücken, sagte der Chefvolkswirt des Ölkonzerns BP, Peter Davies, am Donnerstag in Berlin. „Wir sehen zurzeit eine starke Zunahme des Angebots bei kaum steigender Nachfrage.“ Das Wachstum des Weltenergieverbrauchs um ein Prozent im vergangenen Jahr sei vor allem durch Erdgas gedeckt worden.

Große Fortschritte bei der Ausweitung der Ölproduktion habe Russland gemacht, sagte Davies bei der Vorstellung des aktuellen BPEnergiereports. Das Land habe sich von dem Schock nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wieder erholt. 1987 war Russland noch der größte Erdölproduzent der Welt und förderte elf Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag. 1997 erreichte die russische Ölindustrie den Tiefpunkt bei sechs Millionen Barrel. Mittlerweile sind es aber wieder rund 7,7 Millionen Barrel. „Und ich erwarte einen weiteren Anstieg“, sagte Davies. Allein 2002 war die russische Ölförderung um mehr als neun Prozent gewachsen.

Hinzu kommen weitere Regionen, die ebenfalls verstärkt Öl auf den Weltmarkt bringen. Schon heute würden am Kaspischen Meer, in Tiefseeregionen des Atlantik – zum Beispiel vor Angola und im Golf von Mexiko – und in Kanada zusammen acht Millionen Barrel pro Tag gefördert. Und in den nächsten vier Jahren werde die Produktion voraussichtlich um weitere fünf Millionen Barrel pro Tag wachsen, sagte Davies. Weniger wichtig sei die Entwicklung im Irak. Dort werde die Produktion zwar bald wieder etwa das Vorkriegsniveau erreichen – zwischen zwei bis drei Millionen Barrel. Das Geld, das dadurch verdient wird, werde aber aber auf Jahre in den Aufbau des Irak fließen und nicht in die Erweiterung der Ölförderung, schätzte Davies.

Eins bleibt jedoch auch nach den neuesten Zahlen gültig: Zwar ist der Marktanteil der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), deren Mitglieder vor allem aus dem Nahen Osten stammen, seit 1998 von mehr als 42 Prozent auf rund 38 Prozent geschrumpft. Und zwar vor allem, weil die Opec ihre Förderung zur Stabilisierung der Ölpreise in den vergangenen Jahren eingeschränkt hat. Aber der Großteil der Weltölreserven lagert weiter im Nahen Osten – insgesamt 65,4 Prozent.

Bei den beiden weiteren fossilen Energiequellen Kohle und Gas, die beide zusammen mehr als die Hälfte des Weltenergieverbrauchs decken, sieht die Verteilung anders aus. Fast 40 Prozent der Erdgasvorräte lagern in Europa und auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion. Und bei Kohle – die laut Davies noch lange eine große Rolle spielen wird – sind es 36 Prozent in Europa und der ehemaligen Sowjetunion und fast 30 Prozent in Asien und dem Pazifikraum.

Die Versorgung mit fossilen Energieträgern sei noch lange gesichert, sagte Davies. Trotzdem forderte er von der Politik weltweit, für einen niedrigeren Energieverbrauch zu sorgen – „nicht weil die Energievorräte zu Ende gehen, sondern aus ökologischen Gründen.“ Niemand könne eine Katastrophe durch den wachsenden Ausstoß von Treibhausgasen wie Kohlendioxid ausschließen. Deshalb müsse mehr in energiesparende Technologien investiert werden. Davies begrüßte den Ausbau erneuerbarer Energien, bei dem Deutschland ein Vorreiter sei. Aber auf absehbare Zeit werde diese Quelle nur eine untergeordnete Rolle spielen können. Und Kernkraftwerke seien heute kaum noch wirtschaftlich zu betreiben.

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