Wirtschaft : Opec-Sondertreffen: Wenig Hoffnung auf sinkende Benzinpreise

kvo

Es spricht viel dafür, dass die elf erdölexportierenden Opec-Staaten bei ihrem heute beginnenden Treffen in Wien ihre Förderquoten ausweiten. Dass damit auch die Preise an den deutschen Tankstellen sinken, halten Beobachter allerdings für unwahrscheinlich. Zu gering ist die Erhöhung der Fördermenge, über die spekuliert wird. Aus der Opec-Delegation verlautete, dass es zu einer Ausweitung der täglichen Fördermenge von 24,676 Millionen Barrel (159 Liter) um 500 000 bis zu einer Million Barrel kommen könnte.

"Es ist anzunehmen, dass eine Fördererhöhung bevorsteht", sagt Manfred Horn, Ölmarktexperte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Bei ihrem jüngsten Treffen Ende März hatte die Opec ein informelles Abkommen getroffen, demzufolge der Ölpreis 22 Dollar nicht unter- und 28 Dollar nicht überschreiten sollte. Andernfalls, hatte es damals geheißen, werde die geförderte Ölmenge um 500 000 Barrel täglich hochgefahren. Dies war jedoch auch nach dem deutlichen Überschreiten des Durchschnitts in der vorvergangenen Woche nicht geschehen. Beobachter erwarten, dass dieser Beschluss von der Opec nun formalisiert wird.

Besonders Saudi-Arabien, das mehr als ein Drittel des gesamten Opec-Öls fördert, soll sich hinter den Kulissen für eine Ausweitung der Produktion eingesetzt haben. Dagegen wenden sich vor allem Iran und Algerien. Ein Grund für die Differenzen innerhalb der OPEC ist die Befürchtung, dass die hohen Ölpreise nur ein vorübergehendes Phänomen sein könnten. Einige der Opec-Mitglieder befürchten, dass es zu einem ähnlichen Einbruch wie 1997 kommen könnte. Damals kam es kurz nach einer Produktionsausweitung zu der Wirtschaftskrise in Asien, die zu einem dramatischen Rückgang auf dem Ölmarkt führte.

Im vergangenen März hatte der Barrelpreis noch weniger als zehn Dollar betragen. Die Industrieländer drängen deshalb schon seit Monaten auf eine substantielle Ausweitung der Fördermengen. Vor allem die USA kritisieren die hohen Weltmarktpreise und befürchten negative Effekte für die Wirtschaftskonjunktur. Der Chef der Europäischen Zentralbank, Wim Duisenberg, warnte am Dienstag vor einer importierten Inflation durch höhere Ölpreise.

Wie auch immer das Treffen in Wien ausgeht - beim Mineralölwirtschaftsverband (MWV) in Hamburg rechnet man nicht mit sinkenden Spritpreisen. Es gebe "keinen Automatismus zwischen der Änderung der Einkaufskosten und den Verbraucherpreisen", betonte MWV-Sprecherin Layes. Die Preise für die Autofahrer würden vor allem "durch den Wettbewerb im Tankstellenbereich bestimmt". Layes hält es deshalb für wahrscheinlich, dass die Mineralölgesellschaften eventuell fallende Rohölpreise erst einmal dazu nutzen werden, aus den roten Zahlen zu kommen.

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