Wirtschaft : Opec-Staaten wollen mehr Öl fördern US-Daten verunsichern aber die Börsen

Bernd Hops

Berlin - Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) will dafür sorgen, dass weltweit ausreichend Öl zur Verfügung steht. Wie das Kartell im Anschluss an eine außerordentliche Sitzung am Mittwoch in Wien mitteilte, werde zum 1. Juli die Förderobergrenze für die Mitglieder auf 28 Millionen Barrel (à 159 Liter) angehoben. Sollten die Ölpreise weiterhin so hoch wie derzeit bleiben, könne der Opec-Präsident, Kuwaits Ölminister Fahad Al-Sabah, in Abstimmung mit den Mitgliedern eine weitere Erhöhung von einer halben Million Barrel täglich ankündigen – und zwar noch vor dem nächsten Opec-Treffen im kommenden September. Das Kartell forderte allerdings auch die Verbraucherländer auf, mehr in Raffineriekapazitäten zu investieren.

Die Opec-Entscheidung war von Experten erwartet worden. Dementsprechend unbeeindruckt zeigten sich die Ölmärkte. An der New Yorker Warenterminbörse stieg die Notierung für ein Barrel Leichtöl sogar zwischenzeitlich stark, bis sie sich am späten Abend wieder auf Vortagesniveau – etwa 55,50 Dollar – einpendelte. Der Grund waren widersprüchliche Angaben über die Entwicklung der US-Ölvorräte. Während das Energieministerium von einem leichten Rückgang berichtete, meldete das Petroleum Institute einen Anstieg.

„Durch die Opec-Entscheidung ändert sich nichts grundlegend an der Börsensituation“, sagte Helmut Buchmann vom Fachdienst Oil Market Report (OMR) dem Tagesspiegel. Jetzt werde die 60-Dollar-Marke ins Auge gefasst, „auch wenn das für langjährige Marktbeobachter auf Grund der tatsächlichen Versorgungslage nicht nachzuvollziehen ist“. Die Börsen seien geprägt von der Angst, dass es mit Diesel und Heizöl knapp werden könnte – dadurch werde der gesamte Markt nach oben gezogen, sagte Buchmann. Im Mittelpunkt stehen insbesondere die Bestandsdaten in den USA. Während die Vorräte des größten Ölverbrauchers der Welt an Rohöl – auch nach den neuesten Schätzungen – und Benzin komfortabel über dem Stand des vergangenen Jahres liegen, hat sich die Situation bei Diesel und Heizöl nicht verbessert. Diesel wird an den Börsen zu deutlich höheren Preisen gehandelt als Benzin. „In der Art habe ich das bisher nicht erlebt“, sagte OMR-Experte Buchmann. Die Opec teilte auch mit, man sei „sehr beunruhigt durch den Mangel an Raffineriekapazitäten, die zur Befriedigung der zukünftigen Nachfrage nötig wären“. Gründe seien zu geringe Investitionen und ausufernde Regulierung.

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