Wirtschaft : Opec stemmt sich gegen Ölpreisverfall Krisentreffen vier Monate nach dem Rekordhoch

Kevin Hoffmann

Berlin - Ende Juni sah die Welt noch ganz anders aus: Saudi-Arabiens König Abdullah hielt Hof beim Öl-Krisengipfel von Dschidda. Die Abgesandten der Förderländer trafen dort auf ranghöchste Vertreter der Industriestaaten, darunter den britischen Premier Gordon Brown und Chinas Vizepräsidenten Xi Jinping. Der Ölpreis stand da kurz vor seinem Allzeithoch von 147 Dollar je Barrel.

Die Politiker überboten sich mit Vorschlägen, wie man die Krise in den Griff bekommen könnte. Gastgeber Abdullah kündigte an, die Fördermenge von neun auf 9,7 Millionen Barrel pro Tag zu erhöhen. Er versprach, eine halbe Milliarde Dollar in einen Hilfsfonds für die ärmsten Länder zu zahlen, die sich den Rohstoff nicht mehr leisten können. Der Brite Brown forderte den Bau von 1000 neuen Atomkraftwerken bis 2050, um die Energieversorgung zu sichern. Zudem schlug er einen „New Deal“ vor: Erhöhen die Golfstaaten die Produktion, könnten ihre Vermögensfonds leichter Zugang zu den westlichen Industrieunternehmen erhalten.

Von all dem dürfte keine Rede mehr sein, wenn am heutigen Freitag die Vertreter der 13 erdölexportierenden Länder (Opec) zu ihrer 150. Sitzung in Wien zusammenkommen. Der Ölpreis hat sich in den vier Monaten seit dem Gipfel mehr als halbiert. Ein Fass (159 Liter) der US-Sorte WTI kostete am Donnerstagvormittag 67 Dollar, ein Fass der Nordseesorte Brent weniger als 65 Dollar. Zuletzt sank der Preis um drei bis vier Dollar – jeden Tag.

Vergangene Woche hatten sich erste Opec-Vertreter zaghaft für eine Senkung der Förderquote eingesetzt, um den Preis zu stabilisieren – was die Märkte aber völlig unbeeindruckt ließ. Am Donnerstag sickerte durch, dass es mit Zurückhaltung vorbei ist: Auf dem Wiener Treffen könnte eine deutliche Senkung von bis zu 2,5 Millionen Fass pro Tag beschlossen werden. Das Kartell fördert derzeit rund 31 Millionen täglich. Darauf zogen die Preise im Laufe des Tages um etwa zwei Prozent an. Kevin Hoffmann

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