Wirtschaft : Opel Bochum produziert wieder: Betriebsrat und Werksleitung sind sich einig

Die Produktion im Bochumer Opel-Werk mit 13 500 Beschäftigten ist nach einer Einigung zwischen Betriebsrat und Werksleitung am Freitag wieder angelaufen. Am Donnerstagabend hatten sich Unternehmensleitung und Betriebsrat über eine Rahmenvereinbarung zum beabsichtigten Zusammengehen des Automobilkonzerns mit dem italienischen Autohersteller Fiat geeinigt. Die Opel-Belegschaft kann jetzt wieder aufatmen. Der Streik im Werk Bochum hat den Vorstand zum Einlenken gezwungen und dem Opel-Betriebsrat einen Punktsieg beschert.

Die Allianz der US-Konzernmutter General Motors (GM) mit Fiat wird den Beschäftigten keine Nachteile bringen - und dies sogar lebenslang. Darauf haben sich der Betriebsrat und die Führung der Adam Opel AG nach fieberhaften Verhandlungen geeinigt, noch bevor überhaupt die Details der Kooperation ausgearbeitet sind. "Alle unsere Sorgen sind beseitigt. Die Kollegen haben nun einen optimalen Schutz für die Zukunft", sagte Opel-Betriebsrats-Chef Rudolf Müller am Freitag. Nach den Arbeitsniederlegungen der vergangenen Tage und Produktionseinbußen in fast dreistelliger Millionen-Höhe musste der Vorstand die Forderung des Betriebsrates schlucken: unbefristeter Bestandsschutz für alle Vereinbarungen. "Alle Tarif-Errungenschaften und Sozialleistungen bis hin zur Altersvorsorge bleiben erhalten", frohlockte Müller. Der Plan des Managements, eine Bestandsgarantie für nur fünf Jahre zu geben, ist vom Tisch. Zwischen 6 000 und 7 000 Beschäftigte könnten von den geplanten gemeinsamen Firmen mit Fiat betroffen sein, sagte Müller. Der Betriebsrat von Opel wird auch künftig für ausgegliederte Beschäftigte zuständig sein. Gleiches gilt für den Einfluss des Opel-Aufsichtsrates auf zu gründende Gemeinschaftsunternehmen.

Opel und Fiat wollen bei der Produktion, dem Bau von Motoren und Getrieben sowie dem Einkauf zusammenarbeiten und gemeinsame Töchter gründen. Davon versprechen sich die Partner kräftige Einsparungen. Zudem wollen sie mit vereinter Kraft ihren Marktanteil in Europa ausweiten. Die Marken Opel und Fiat bleiben jedoch als Konkurrenten erhalten. Arbeitsgruppen sollen in den kommenden Monaten konkrete Vorschläge auf den Tisch legen.

"Ich bin überzeugt, dass wir eine Lösung finden, mit der alle zufrieden sind und leben können", hatte der stellvertretende Opel- Chef Wolfgang Strinz bereits vor der Verhandlungslösung gesagt. Die Rüsselsheimer haben genug damit zu tun, ihren in Deutschland seit Jahren sinkenden Marktanteil aufzufangen und endlich wieder aus der Verlustzone zu kommen. Am Montag will die Opel-Spitze dazu neueste Zahlen präsentieren. Weitere Unruhe in der ohnehin nervlich stark angeschlagenen Belegschaft oder gar eine Arbeitsverweigerung würden die Aufholjagd nicht nur abbremsen, sondern unmöglich machen. Deshalb hat sich der Opel-Vorstand um einen versöhnlichen Ausgleich bemüht. "Wir werden jetzt alles daran setzen, die Vereinbarung nun auch zum Maßstab für ganz General Motors in Europa zu machen - unter Beachtung der nationalen Gegebenheiten", kündigte Müller an. Auch die Arbeiter von Fiat sollen in einer zweiten Stufe davon profitieren. Dies ist umso wichtiger, als das Bündnis von GM und Fiat langfristig offenbar deutlich über bisher Bekanntes hinausgeht. Opel schließt nämlich sogar den Bau gemeinsamer Autos nicht mehr aus: "Das ist aber noch Zukunftsmusik."

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