Wirtschaft : Opel: Die Führungskrise schwelt weiter

Rolf Obertreis

Das Auto kann sich sehen lassen, auch wenn die Experten vermutlich doch wieder Macken entdecken werden: Der neue "Corsa", den Opel jetzt im niederländischen Maastricht präsentierte, hat das Zeug, einen Beitrag zum Weg aus der Dauerkrise der General-Motors-Tochter zu weisen und zu belegen, dass Opel längst hochwertige Fahrzeuge baut.

Aber nicht nur das enttäuschende Autojahr 2000, das Opel in Deutschland einen Absatzrückgang von rund 15 Prozent bescheren wird, auch anhaltende Spekulationen über die künftige Führung belasten das Rüsselsheimer Traditionsunternehmen. Dass Bob Hendrys Tage an der Spitze gezählt sind, scheint klar.

Dass Hendry bei der Vorstellung der neuen Variante des Autos, das seit Jahren für ein Drittel des Absatzes bei Opel sorgt, nicht dabei war, ist schon mehr als ein deutliches Zeichen. Hendry, im November 1998 mit großen Hoffnungen an die Spitze von Opel gerückt, hat in Rüsselsheim nur noch wenig Sympathien. Kaum eines seiner Ziele hat er erreicht. Der Marktanteil von Opel sinkt weiter, auf mittlerweile 12,2 Prozent nach 13,8 Prozent im vergangenen Jahr. Für das Gesamtjahr befürchtet das Management einen Rückgang der Verkaufszahlen alleine in Deutschland um bis zu 90 000 auf nur noch etwa 540 000 Fahrzeuge. Immerhin soll der Marktanteil wieder auf knapp 13 Prozent steigen, weil die neuen Modelle Impulse geben.

Aus der noch im Frühsommer prognostizierten schwarzen Null wird nichts werden. "Wir werden aber den operativen Verlust des Vorjahres drücken", sagt Strinz in Vertretung von Hendry. 1999 waren es 225 Millionen Mark.

Zwar hat Hendry die Führungsebene bei Opel gestrafft, aber sein autokratischer Führungsstil hat ihm viele Sympathien gekostet. Und ihm wird angekreidet, dass er seine Opel-Vorstandskollegen über die Allianz der Mutter GM mit Fiat - die vor allem Opel betrifft - erst im März, einen Tag vor der offiziellen Verkündung, informierte, obwohl er seit Wochen in die Gespräche eingebunden war. Spätestens im Frühjahr werde der Amerikaner, dessen Vertrag noch bis Ende 2003 läuft, seinen Hut nehmen, heißt es.

Doch wer soll den eigenwilligen Amerikaner, der am heutigen Mittwoch seinen 56. Geburtstag feiert, beerben? Als in der vergangenen Woche ein BMW-Manager ins Gespräch gebracht wurde, war die Freude bei vielen Beschäftigten in Rüsselsheim groß: Nach über einem Jahrzehnt würde endlich wieder ein Deutscher in Rüsselsheim das Sagen haben. Nur mit David Herman hat Opel in den vergangenen zehn Jahren gute Erfahrungen gemacht: Louis Hughes, Gary Cowger und jetzt Hendry haben enttäuscht, weil sie sich viel zu wenig für die Eigenständigkeit von Opel eingesetzt haben.

Aber die Freude der Opelaner war verfrüht. "GM wird nie einen Vorstandschef von außen holen", sagt ein Insider. Weder bei GM noch in Rüsselsheim gibt es einen deutschen Manager, der das Zeug zum Opel-Chef hätte. Es sei denn Wolfgang Strinz. Er hat Opel über Jahrzehnte entscheidend mit geprägt und ist bei der Belegschaft höchst anerkannt. Bei der Präsentation des neuen Corsa kann Strinz seinen Stolz beim besten Willen nicht verheimlichen: Das neue Modell ist irgendwie auch sein Kind. Schließlich hat er schon in den achtziger Jahren mit dem Aufbau des Corsa-Werkes im spanischen Zaragoza, ganz entscheidend zum Erfolg des Kleinwagens beigetragen. Und doch wird er nicht berufen. Mit 62 ist er zu alt.

Und der neue Chef müsste gleich ein ganz drängendes Problem der Rüsselsheimer angehen: das Imageproblem. Der eigens engagierte Markenvorstand, Ex-Daimler-Manager Alain Uyttenhoven, gibt sich zwar große Mühe, aber Opel gilt bei den Kunden immer noch als bieder.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben